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4. Dezember 2013

Soundtrack zur Eiskönigin

Category: Filme/Serien,Rezensionen – Darkstar – 08:30

Soundtrack Die EisköniginLetzte Woche startete das neue Disney-Märchen „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ in den Kinos (meine Film-Review findet ihr hier). Und auch in diesem Fall gilt: Kein guter Disney-Animationsstreifen ohne Musical-Nummern.

Seit dem 29. November 2013 ist der Soundtrack sowohl in einer deutschen als auch in einer englischen Fassung digital und als CD erhältlich. Darüber hinaus gibt es eine „Deluxe Edition“ mit 2 Discs, die neben allen deutschen Tracks zusätzliche Demos und unveröffentlichte Titel enthält.

Weil ich von den schmissigen Liedern im Film sehr angetan war, habe ich den deutschen Soundtrack genauer unter die Lupe genommen:

Sagenhafte 32 Tracks finden sich bereits auf der regulären Version, was allerdings vor allem daran liegt, dass neben den Liedern aus dem Film auch der komplette Score auf der CD enthalten ist. Das finde ich schonmal positiv, gibt’s ja leider auch genügend Beispiele, wo man sich nicht nur den „Soundtrack“, sondern auch noch separat das „Score“-Album kaufen muss.

Der Score selbst stammt aus der Feder von Christophe Beck, der 1998 bereits mit einem Emmy Award ausgezeichnet wurde für seine Arbeit als Score-Komponist bei Buffy the Vampire Slayer. Inzwischen ist er in Hollywood viel beschäftigt und das verwundert nicht, wenn man sich die düsteren, stimmungsvollen Tracks auf dem „Eiskönigin“-Album anhört. Zwar hab ich ein paar etwas romantischere Stücke vermisst, aber das liegt dem Film selbst geschuldet, nicht dem Score.

Herzstück des Soundtracks sind ohnehin die zehn eigentlichen Lieder: neun Musicalnummern direkt aus dem Film sowie Demi Lovatos Pop-Interpretation von Elsas Power-Ballade „Let it go“:

Wie ihr im offiziellen Music-Video seht, fetzt das Lied einfach und wird mit jedem Mal hören eingängiger, so dass es sehr schön ist, das dieser Titel auch auf dem deutschen Soundtrack enthalten ist.

Die anderen Lieder sind „Kaltes Herz“ (eine Gemeinschafts-Nummer einer Gruppe Nordmänner, die gefrorenes Eis brechen), das fetzige, fröhliche Troll-Lied „Aufpolieren“, Kristoffs kleine „Rentiere sind besser als Menschen“-Nummer und „Im Sommer“, eingesungen von Hape Kerkeling, der in der deutschen Fassung den Schneemann spricht.

Außerdem gibt es noch ein ungewöhnliches Liebesduett („Liebe öffnet Tür’n“). Ungewöhnlich deshalb, weil der Song nicht schmalzig daher kommt, wie man das erwarten würde, sondern sehr fröhlich, sehr temporeich und einfach gute Laune verbreitet. Der Song, der in der deutschen Fassung von Pia Allgaier und Manuel Straube gesungen wird, ist ein heimlicher Favorit.

Soundtrack Die Eiskönigin (Deluxe Edition)Im Mittelpunkt der CD stehen aber natürlich die Lieder von Anna und Elsa, der beiden Schwestern, die die Hauptfiguren des Films sind. Vier Lieder haben die beiden, die sie meist gemeinsam singen; und sie alle umweht ein Hauch von Melancholie. Sowohl „Lass jetzt los“ – Elsas Lied – (die deutsche Version von „Let it go“) als auch der Reprise von „Zum ersten Mal“ – ein Duett von Anna und Elsa – sind eine Wucht. Auch, oder vielleicht vor allem deshalb, weil es diesmal keine klassischen Power-Balladen sind wie z. B. bei Die Schöne und das Biest, sondern viel eher Musical-Nummern. Disney hat inzwischen mit „Die Schöne und das Biest“, dem „König der Löwen“ und „Tarzan“ auch den Broadway erobert; vielleicht hatte man das bereits im Hinterkopf, als man Tony Award-Gewinner Robert Lopez („Avenue Q“) und seine Frau Kristen Anderson-Lopez damit beauftragte, die Songs für „Frozen“ zu schreiben. Sei es, wie es will, die Mischung geht auf und dadurch hebt sich der Soundtrack von anderen ab und dürfte vor allem für Musical-Fans sehr interessant sein.

Jetzt zu den weniger schönen Dingen:

Obwohl Pia Allgaier (der eine oder andere wird sie vielleicht als Sing-Stimme der Titelheldin aus „Rapunzel – Neu verföhnt“ wieder erkennen) und Musical-Darstellerin Willemijn Verkaik (Elphaba in „Wicked – Die Hexen von Oz“) ihre Sache wirklich gut machen, kommen sie meines Erachtens nicht ganz an Kristen Bell und Idina Menzel heran.

Schwerer ins Gewicht fallen im Vergleich deutsche Fassung vs englische Fassung aber die Texte, und sorry, die deutschen Versionen fangen meiner Meinung nach die kompletten Emotionen der Vorlage nicht ganz ein. Während das bei Songs wie „Liebe öffnet Tür’n“ oder „Aufpolieren“ nicht stark ins Gewicht fällt, ist das ausgerechnet bei der ganz großen Nummer des Albums – „Let it go“ / „Lass es sein“ – sehr deutlich spürbar. Ich kann mir vorstellen, dass Musical-Texte verdammt schwierig zu übersetzen sind, aber die schöneren Bilder malt nunmal die englische Version.

So wird z. B.

The cold never bothered me anyway

zu

Die Kälte, die ist nun ein Teil von mir

und

I know I left a life behind
But I’m too relieved to grieve

wird zu

Ich geh nie mehr zurück
Das ist Vergangenheit

Wie ihr seht, sind die Texte zwar vom Sinn her richtig übersetzt, aber das englische Original ist meines Erachtens scharfer formuliert, griffiger, mit dramatischeren Bildern. Da dadurch die Persönlichkeit von Elsa auch stark definiert wird, halte ich das ein wenig für schade und tatsächlich stolpere ich beim Hören des deutschen Soundtracks auch immer wieder über diese Zeilen.

Trotzdem: Insgesamt ein toller Musical-Soundtrack, der zum Mitsingen und Oft-Hören einlädt. Wer den Disney-Film auf Deutsch gesehen hat und den Soundtrack haben möchte, weil ihm die Lieder im Kino so gut gefallen haben – oder aber wer ihn für ein Publikum kauft, das kein Englisch versteht – der macht mit der deutschen Version nichts verkehrt. Allen anderen empfehle ich allerdings, zur englischsprachigen Fassung zu greifen.

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