Darkstars Fantasy News


3. März 2016

Interview mit Bettina Belitz
zum Auftakt der Diamantkrieger-Saga

Category: Interviews – Darkstar – 08:00

Letzte Woche ist „Damirs Schwur“ erschienen, der Auftakt zur neuen Jugendbuchtrilogie von Splitterherz-Autorin Bettina Belitz. (Worum’s geht, erfahrt ihr z. B. in meiner Rezension zum Roman).

Die „Diamantkrieger-Saga“ ist – zumindest in ihrem ersten Band – düsterer und härter als die anderen Bücher der Autorin.

Warum das so ist, vor welche Herausforderungen das Bettina Belitz beim Schreiben gestellt hat und ob Band 2 und 3 so düster bleiben, verrät die Autorin im nachfolgenden Interview.

Interview mit Bettina Belitz

Liebe Bettina, wenn Du die Atmosphäre Deines neuen Romans in ein paar Schlagworten und in einer Farbe beschreiben müsstest, welche würdest Du wählen?

Kälte, Dunkelheit, Abgründe, durchbrochen von gleißend hellem Licht und Wärme.

Die Farbe ist Anthrazit – Sara selbst sagt an einer Stelle:“Irgendwann würde auch dieses Mädchen aufwachen müssen und begreifen, dass die Welt nicht rosa, sondern anthrazit war.“

Doch die Atmosphäre von „Damirs Schwur“ spiegelt Saras Innen- und Lebenswelt wider und die ist nun mal zu Beginn des Romans zappenduster. Deshalb musste ich diese Kälte und Tristheit wählen. Ich selbst nehme die Welt ganz anders wahr, nämlich farbenfroh und voller Chancen.

Zum Glück habe ich diesen ersten Band im Sommer geschrieben und konnte mich nach dem Arbeiten an der Sonne aufwärmen, innerlich wie äußerlich.

Die Welt der Diamantkrieger-Saga ist brutal düster: Sara stiehlt und gibt sich mit Abschaum ab, weil sie ihrer kranken Großmutter ein würdiges Leben ermöglichen will; Mädchen im Teenager-Alter verkaufen ihre Körper, um an Drogen zu kommen und Drogenjunkies hausen in der rattenverseuchten Kanalisation.

Das ist kein Setting für ein romantisches Kuschel-Wohlfühl-Buch. Hast Du Dich bewusst dafür entschieden, den romantischen Glitzervampiren und den muskelbepackten Teenager-Werwölfen etwas entgegen zu setzen oder entstand dieses Setting beim Schreiben?

Dieses Setting musste leider sein.

Ich weiß gar nicht, was da draußen gerade der vorherrschende Trend ist und ob der glitzert und kuschelig ist. Mir war nur klar, dass ich ganz tief in die menschlichen Abgründe hinabsteigen muss, um diese Geschichte zu beginnen. Die Bewegung verläuft von der Dunkelheit ins Licht, denn nur in der Dunkelheit ist Licht sichtbar und setzt markante Kontraste – und die meisten Lichtgestalten kamen einst aus dem Schmerz und aus der Finsternis.

Die umgekehrte Bewegung ist aber die gängigere in Romanen, gerade im Romantasybereich, das ist sicher richtig. Da bricht etwas mystisch Dunkles in die heile Welt der Protagonistin ein und wird dann „handzahm“. Ich habe in den Diamantkriegern kategorisch eine andere Richtung gewählt – und es ist für mich genau diese Richtung, die letztendlich zählt.

Sara kommt von ganz unten und bewegt sich ins Licht.

Belitz 1
Wie schwer – oder leicht – war es, beim Schreiben in so eine kaputte Welt abzutauchen?

Ziemlich schwer und nervenaufreibend. Oft konnte ich in den Nächten vor den Schreibtagen, an denen ich in die Katakomben hinabsteigen musste, nur schlecht schlafen und bekam morgens zum Frühstück kaum einen Bissen hinunter.

Mir fällt es überhaupt nicht leicht, solche Szenen zu schreiben. Deshalb waren die lichtvollen, warmherzigen Szenen, die ja auch vorhanden sind, und die Gutmenschen des Romans wie zum Beispiel Goldwasser eine wahre Wohltat für mich.

Deine Hauptfigur Sara ist die Lichtgestalt in dem Buch. Was war für Dich eher da: Sara, die Figur, oder die Geschichte, in der sie agiert?

Das kam beides im Doppelpack, aber Sara schwebte mir bereits klarer vor Augen. Ich wusste genau, dass ich es dieses Mal mit einer Heldin zu tun habe, die das Fantastische bereits in sich trägt, anstatt, wie es ja oft üblich ist, durch den männlichen Helden dem Fantastischen zu begegnen.

Natürlich ist Damir alles andere als ein Durchschnittsmensch, aber wie Du es schon sagst – Sara ist die Lichtgestalt, auch wenn sie es selbst noch nicht weiß oder gar ahnt. In ihr schlummern strahlende Diamanten.

Ich war überrascht, wie emotionslos Sara über Sex spricht. Das ist man von einer Jugendbuchheldin nicht gewohnt. Ist es an der Zeit, die braven Prinzessinnen aus ihren rosafarbenen Käfigen zu lassen?

Das hat damit im Grunde nichts zu tun – Sara kennt Sex einfach nicht anders als eine emotionslose, triste Sache, der sie ja auch nicht viel Bedeutung beimischt. Das ist eigentlich sehr traurig, wenn man bedenkt, wie jung sie ist. Sie sagt selbst im Laufe des Romans, dass sie viele Herausforderungen gemeistert hat – aber mit der Liebe kennt sie sich nicht aus.

Wie auch sollte es anders sein? Wenn man sich anschaut, wie Sara aufgewachsen ist, wundert es nicht, dass sie davon ausgeht, dass Männer nichts Besonderes in ihr sehen und ihr nur an die Wäsche wollen. Umso mehr schätze ich an ihr, dass sie sich ein mitfühlendes Herz bewahrt hat und sich in vielen Situationen davon leiten lässt. Wann immer sie kann, hilft sie Schwächeren.

Inwiefern ist „Damirs Schwur“ für dich dennoch ein positives Buch? Was hat dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht? Und was am meisten Angst?

Man darf nicht vergessen, dass es der Auftakt zu einer Trilogie ist – da kommt also noch was. Positiv ist für mich die grundsätzliche Richtung, die ich vorhin schon erwähnt habe. Es strahlt immer mehr Licht in die Finsternis, auch wenn dieses Licht Sara zunächst in große Gefahr bringt, da es „sichtbar macht“, was vorher im Verborgenen blieb.

Sara kann sich und das, was sie tut, nicht mehr verstecken. Die Botschaft jedoch ist lebensbejahend und soll meinen Lesern Mut machen, nicht aufzugeben, wenn es eng wird, und trotz allen Widrigkeiten an sich zu glauben. Sara ist eine echte Kämpferin – und das, obwohl sie gar nicht weiß, welche Fähigkeiten in ihr schlummern.

Und besondere Fähigkeiten schlummern in jedem von uns!

Warum haben die Straßen typisch deutsche Namen, die Figuren jedoch eher ausländisch klingende?

Ich habe einen ziemlichen Mischmasch kreiert, um mich nicht auf eine Stadt oder ein Land festzulegen.

Die Geschichte könnte fast überall auf der Welt spielen. Die Namen haben in der Tat besondere Bedeutungen; aber dazu will ich jetzt noch nicht allzu viel verraten, weil ich sonst spoilern würde.

Warum die Straßennamen deutsch klingen? Weil wir als deutschsprachige Leser beim Lesen deutscher Wörtern konkrete Assoziationen haben, während die Namen der Figuren eine Etage tiefer, im Bauch, wirken. Kratos zum Beispiel mutet kalt und dunkel und hart an, während der Troisweg, in dem Damir seinen Trainingsraum hat, nach „Trost“ klingt. Saras Großmutter wohnt im Westend; das deutet auf Westen hin, womit ich Licht, Wärme und Freiheit verbinde. Dann gibt es noch den Junkershain, in dem La Loba wohnt, ein alter Flurname, in dem mit „Hain“ das Grüne, Urwüchsige, aber auch Paradiesische anklingt.

Die Namen sind vor allem fühlbar, während in den Ortsbezeichnungen versteckte Botschaften enthalten sind. Im Falle einer Lizenz müssten sie also entsprechend übersetzt und angeglichen werden.

Was inspiriert Dich generell?

Klang und Menschen. Vor allem aber Klang …

Durch Klang eröffnet sich mir eine Welt, in der ich die Ideen empfangen kann. Das muss nicht unbedingt Musik sein, es kann auch das Rauschen eines Baches, das Brausen des Windes oder Vogelgezwitscher sein.

Belitz 2
Gibt es ein Leitmotiv, das sich durch alle deine Bücher zieht?

Liebe. Ja, das ist es, was sich durch all meine Bücher zieht und das Leitmotiv ist – die Liebe, vor allem die Liebe zu sich selbst, wodurch die aufrichtige Liebe zum Gegenüber erst möglich wird.

Inwiefern schreibst du jetzt anders als vor einigen Jahren?

Ich schreibe wesentlich bewusster als früher.

Ich achte mehr darauf, welche Worte ich verwende und welchen Klang sie haben und welche Lebensbotschaften ich dabei aussende. Ellie aus Splitterherz zum Beispiel hatte in vielen Bereichen eine recht pessimistische, negative Weltsicht und fühlte sich häufig als Opfer ihrer eigenen Emotionen. Ich habe keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis aufgezeigt – ich konnte es nicht, weil ich ihn noch nicht kannte.

Heute will ich mehr; ich möchte zeigen, dass wir nicht Opfer unserer Gedanken und Gefühle sein müssen und in die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung gehen können, wenn wir uns dazu entscheiden. Aber dieses Wissen hat mir damals gefehlt und deshalb hadere ich nicht mit dem Charakter von Ellie, zumal auch Splitterherz von Liebe und Mitmenschlichkeit genährt wird und Ellie im Laufe der Geschichte immer stärker wird.

Ich habe bei jedem Buch mein Bestes gegeben.

Auf Deinem Blog schreibst Du, Du liebst „letzte Kapitel“ und fügst ein „seufz“ an. War das ironisch gemeint? Inwiefern bzw. warum liebst Du „letzte Kapitel“ (oder eben auch nicht)?

Ja, diese verflixten letzten Kapitel – erleichternd, weil es wieder gelungen ist, ein Buch im vorgegebenen Zeitrahmen abzuschließen, und auch immer etwas wehmütig, weil sich danach erst einmal ein Gefühl der Leere in mir ausbreitet.

Die letzten Kapitel der ersten zwei Bände der Diamankrieger-Saga gingen mir dabei besonders ans Herz. Ich weiß nicht, ob ich jemals ein solch intensives letztes Kapitel wie das des zweiten Bandes geschrieben habe …

Was fällt Dir leichter: Eine Geschichte zu beginnen, oder sie zu beenden?

Das hält sich die Waage. Im Mittelteil ist es immer am einfachsten. Aber ich habe immerhin keine Angst vor dem leeren Blatt.

Was darfst Du uns bereits heute über Teil 2 verraten. Bleibt es atmosphärisch so düster wie in Band 1?

Die Atmosphäre wandelt sich, aber Sara hat einige Herausforderungen vor sich, die sich sowohl im Äußeren als auch in ihrem Inneren abspielen.

Zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie die Stadt, in der sie lebt, für bestimmte Aufgaben verlassen – und das kann man auch symbolisch deuten: Sie muss ihr Leben verändern und macht ganz neue Erfahrungen, lernt neue Menschen kennen, von denen sie nicht weiß, ob sie ihnen vertrauen kann.

Im zweiten Band gibt es sogar einige märchenhaft-mystisch anmutende Szenen.

Stell Dir vor, Du dürftest vier literarische Figuren (ob aus Deinen eigenen Werken oder denen anderer) auf einen Kaffeerunde einladen – welche würdest Du wählen und warum?

Oh je, ich bin keine besonders geübte Gastgeberin – aber gut, versuchen wir es:

Ich würde Colin aus „Splitterherz“ wählen (deshalb gäbe es den Kaffeeklatsch auch erst nach Sonnenuntergang), weil ich ihn gut kenne und weiß, dass wir miteinander auskommen würden…

Ähm, ja, und dann wird es schon schwierig mit dem Rest der Gästeliste. Das müssen starke Persönlichkeiten sein. Jamie aus „Feuer und Stein“ würde es sicher mit Colin aufnehmen können und Claire auch, also die zwei noch, und dann … ha! Sokrates aus „Der Pfad des friedvollen Kriegers“. Der kann selbst Colin noch was beibringen und mir sowieso und vor allem garantiert er mit seiner Weisheit und stoischen Ruhe, dass das Ganze nicht aus dem Ruder läuft.

Ich kann mich dann entspannt zurücklehnen und genießen.

Vielen Dank!

Meine Rezension zum Auftakt der Diamantkrieger-Saga: bitte klicken.

Bettina Belitz Website: da entlang.

Das Copyright der Fotos liegt bei Anja Wechsler.

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