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2. März 2016

Bettina Belitz: Damirs Schwur
Diamantkrieger-Saga (Band 1)

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 13:00

Keine Sorge, Verrat gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen.

Bettina Belitz: Die Diamantkrieger-Saga

Eine Welt wie die unsere, vielleicht ein paar Jahre oder Jahrzehnte in der Zukunft. Die Kluft zwischen Arm und Reich scheint noch ein Stück größer geworden zu sein, die sozial verwahrloste Unterwelt der namenlosen Großstadt noch einen ganzen Tick verkommener und desillusionierter. Das Trinkwasser ist regelmäßig ungenießbar, in der Kanalisation vegetieren Drogenjunkies und minderjährige, rauschgiftsüchtige Prostituierte – und natürlich die kleinen Ganoven, die aus der Abhängigkeit dieses Klientels Kapital schlagen.

Für einen dieser Ganoven arbeitet die 17jährge Sara. Nacht für Nacht bricht sie ein in die Villen der Wohlhabenden und macht sich auf die Suche nach Diamanten. Dabei kommt ihr ihre besondere Gabe zu Gute: Sie kann Diamanten „singen“ hören. Sara schlägt sich mit diesem kaputten Leben herum, weil sie so den Unterhalt für ihre demente Großmutter finanzieren und dem Leben an der Seite ihrer alkoholkranken, durchgeknallten Mutter hoffentlich bald entfliehen kann.

Ihr Leben nimmt endlich eine Wendung, als sie dem geheimnisvollen Damir begegnet. Nach und nach bemerkt Sara nicht nur, dass zwischen ihr und ihm eine seltsame Verbindung besteht, sondern sie entdeckt Fähigkeiten an sich, die sie nie für möglich gehalten hätte …

Kein Wohlfühlbuch – und das ist gut so

Bettina Belitz‘ Auftakt zur „Diamantkrieger-Saga“ ist spannend, aber kein Wohlfühl-Buch. Es spielt nicht in einer Welt, in der man „gern“ versinkt, sondern in einer Welt, die einen desillusioniert und traurig und wütend macht. An „Damirs Schwur“ ist nichts federleicht und heimelig – alles ist spröde und kantig – und das ist gut so.

Viel weicher hingegen ist Sara, die Hauptfigur der Geschichte. Und wenn ich weicher sage, meine ich deshalb nicht sanft oder schwach. Aber die 17jährige Sara ist, auch wenn sie sich als Diebin ihren Lebensunterhalt verdient, eine der wenigen moralisch integren Figuren dieser kompromisslosen Welt. Sie fühlt und lebt Nächstenliebe. Sie stellt das Wohl anderer über ihr eigenes. Sie ist die schwanenweiß glänzende Walküre zwischen Drogenjunkies und Jugendprostituierten, wandert aber selbst auf einem schmalen Grat, gefährdet, die Balance zu verlieren. Sie ist der Lichtblick, der die kaputte Welt von „Damirs Schwur“ erträglich macht.

Damirs Schwur“ ist definitiv nichts für Romantiker, die nach der nächsten großen Schmacht-Story Ausschau halten. Das Buch ist auch nichts für zartbesaitete Gemüter. Dafür ist der Roman definitiv anders; wesentlich weniger verträumt, stattdessen knallhart. Offenbar ist die Zeit endlich gekommen, in der auch in der Jugendfantasy eine Protagonistin nicht nur eine Diebin sein darf, sondern auch völlig unromantisch und gefühlskalt Sex gehabt haben darf. Das stößt sicher den einen oder anderen vor den Kopf, verleiht der Handlung aber den der Geschichte entsprechenden notwendigen Hauch Realität.

Ich hoffe allerdings, dass die Autorin nach dem tragischen Finale von Band 1 ihrer Figur – und dieser Welt – einen Aufstieg in hellere Gefilde gewährt.

Leser, die Kuschel-Werwölfen und märchenhafte Feenprinzen über haben, kommen mit dieser außergewöhnlichen Geschichte auf ihre Kosten, die so kalt und hart ist wie der Edelstein, den sie im Namen trägt.

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Morgen erscheint auf dem Blog ein Interview zum Roman mit Bettina Belitz.

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