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15. Juni 2009

Ellen Kushner & Delia Sherman:
Die Legende vom letzten König

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 18:03

Die Legende vom Letzten KönigDie Riverside-Romane von der preisgekrönten amerikanischen Autorin Ellen Kushner gehören zu jenen Werken, die zu übersetzen sich deutsche Verlage jahrelang standhaft geweigert haben. Mit Die Dienerin des Schwertes hat Goldmann vor ein paar Monaten dennoch den ersten Band dieser Saga auf Deutsch veröffentlicht. Inzwischen ist im gleichen Verlag auch Die Legende vom Letzten König erschienen, ein Roman, der zwar zeitlich mehrere Duzent Jahre nach der Dienerin spielt, ursprünglich aber bereits einige Jahre zuvor von der Schriftstellerin verfasst wurde, die für den Roman ihre Lebenspartnerin Delia Sherman, ihres Zeichens selbt preisgekrönte Autorin (aus ihrer Feder stammt unter anderem der sehr empfehlenswerte Roman Die Blume der Diener), als Co-Autorin gewinnen konnte.

Mit Die Legende vom letzten König hatten die beiden Kushners Jahre zuvor erschienenen, auf Deutsch jedoch bisher nicht erhältlichen Kult-Roman Swordspoint fortgesetzt:

In einer Welt und einer Epoche, die wie eine Mischung aus dem Frankreich der Renaissance und dem viktorianischen London wirkt, liegt der verarmte Universitäts-Professor Basil St. Cloud im Wettstreit mit seinem Kollegen. Beide unterrichten sie Geschichte, ihre Methoden könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Was Basil bei seinen Studenten so beliebt macht ist die Tatsache, dass immer wieder die Forschernatur in ihm durchkommt und er sich nicht darauf verlässt, altbekannte Fakten zu vermitteln, sondern unkonventionelle Thesen aufstellt und eigene Nachforschungen betreibt. In diesem Zusammenhang stößt er auch auf neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Sturz der Monarchie vor rund zwei Jahrhunderten und der Verbannung der königlichen Magier. Das ist aber ein Thema, an dem zu Rühren gefährlich ist. Seine Forschungen sind vielen Bürgern in machtvollen Positionen ein Dorn im Auge, könnten sie doch dem inzwischen aufgebauten Gesellschaftssystem Schwierigkeiten bereiten, wo sich im Norden des Reiches auch vereinzelte, rebellische Grüppchen mal mehr, mal minder lautstark für die Rückkehr zur Monarchie aussprechen.

Als Basil den wesentlich jüngeren, wohlhabenden Aristokraten Theron Campion kennenlernt und sich Hals über Kopf in ihn verliebt, schürt das seinen Forscherdrang noch. Denn wenn er in Therons Nähe ist, überfallen ihn immer wieder geheimnisvolle Visionen von den einstigen Königen und einem seltsamen, sinnlich-animalischen Ritual. In welcher Verbindung steht Theron zum ausgelöschten Geschlecht der letzten Könige?

Obwohl dieser Handlungsabriss recht stringent klingen mag, ist es gar nicht so einfach festzumachen, worum es in Die Legende vom letzten König eigentlich genau geht. Über das erste Drittel des Romans hinweg – und das ist bei einem Roman von rund 700 Seiten nicht wenig – erschließt sich dem Leser nicht, worum es eigentlich gehen soll. Zu viele Handlungsstränge entwickeln sich in sehr behäbigem Tempo parallel zueinander. Ist das Buch in erster Linie eine Liebesgeschichte? Die Geschichte einer Rivalität zwischen zwei Universitätsdozenten? Die Geschichte vom Wiederentdecken der Magie? Erst spät fokussiert sich die Handlung und es beschleicht einen das Gefühl, dass der Plot ein Element ist, auf den es dem Autorinnen-Duo Ellen Kushner und Delia Sherman bei Die Legende vom letzten König gar nicht ankam. Vielmehr kann man den Roman als Sittengemälde betrachten, als eine Millieustudie der fiktiven Gesellschaft von Riverside mit ihren Adeligen, ihrer Studentenbewegung, der schleichenden Emanzipation der Frauen und dem Mantel & Degen-Flair. Das wirkt wie ein phantastisches Pendant zu Klassikern wie Die Buddenbrocks oder Werken aus der Feder von Tolstoi, wenngleich ich bei diesem Vergleich nicht auf das literarische Niveau dieser Werke abzielen möchte, sondern vielmehr den Flair, den Geschmack der Erzählung meine.

Entblättert man den dem Roman zu Grunde liegenden Plot all seiner atmosphärischen Details, die Die Legende vom letzten König ausmachen, stellt man fest, dass der so originell gar nicht ist: Das Ritual der königlichen Jagd, das Königsopfer, die Verbindung von König und Land und beidem mit der Magie – das ist der Stoff, aus dem bereits viele Handlungsfäden von Romanen der Achziger Jahre gestrickt worden sind.

Was an Kushners und Shermans Gemeinschaftswerk allerdings bemerkenswert ist, ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie das Thema Homosexualität in ihrer Welt Riverside behandeln. Insofern macht die Liebesgeschichte zwischen Basil und Theron den eigentlichen Reiz des Buches aus.

Fazit:

Die Legende vom letzten König verlangt seinem Publikum einiges an Durchhaltevermögen ab. Die Geschichte zieht sich, der Reiz des Romans liegt nicht in der Handlung, sondern vielmehr in der erzählerischen Atmosphäre. Wer von der Welt Riverside ein Fan ist und langsam vor sich hin plätschernde Geschichten etwas abgewinnen kann, die eher einer Milieustudie denn einer abenteuerlichen Erzählung gleichen, wird bestens bedient. Alle anderen sollten erst einmal in den Roman hineinlesen und sich gut überlegen, ob ihr Atem für einen solchen Wälzer reicht.

Fakten:

Titel: Die Legende vom letzten König
Reihe: Riverside
Autorinnen: Ellen Kushner & Delia Sherman
Originaltitel: The Fall of the Kings
Übersetzung: Karlheinz Dürr
Verlag: Goldmann
Aufmachung: Taschenbuch, 668 Seiten
Preis: 12,00 EUR

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1 Kommentar »

  1. Das Buch liegt schon bei mir zuhause und ich hoffe, dass ich es bald lesen kann. Die Dienerin habe ich geliebt, so tolle Fantasy kommt einem nicht oft unter (niveauvoll, erwachsen, ohne Tolkienabklatsche).
    Bist Du sicher – ich weiß es aber nicht genau – dass das Buch nach der Dienerin spielt? Nicht vor? Irgendwie dachte ich das immer …. mhm.

    Kommentar by Soleil — 11. Juli 2009 @ 15:48

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