Darkstars Fantasy News


19. Mai 2010

Alte Autoren, neue Namen?
Ein kleines Pseudonym-Who-is-Who

Category: News – Darkstar – 12:20

Der Kuss des EngelsDer Trend geht eindeutig zum Pseudonym. Diesen Eindruck bekomme ich jedenfalls, wenn ich mich im aktuellen deutschen Fantasy-Blätterwald umschaue. Gründe dafür gibt es viele und die meisten davon kann ich sogar gut nachvollziehen. Oft sind sie Verlagspolitischer Natur.

Und so lange kein Fantasy-Autor sagt: „Ich hab mir ein Pseudonym zugelegt, damit der Schrott, den ich fabriziere, nicht auf mich persönlich zurück fällt“, akzeptiere ich das einfach und wundere mich gar nicht groß. Oft ist es ja so, dass ein Autor sich vertraglich an einen bestimmten Verlag gebunden hat und in einem anderen Verlag nur veröffentlichen darf, wenn er dort unter einem neuen Namen auftritt. In Fällen, in denen Schriftsteller für verschiedene Genres schreiben, macht das zudem unter Umständen sogar Sinn.

High Fantasy-Autorin Dawn Cook schreibt unter dem Namen Kim Harrison beispielsweise sehr erfolgreich Urban Fantasy.

Megan Lindholm macht keinen Hehl daraus, dass die Bücher, die sie unter diesem Namen schreibt, sich stilistsch von ihren Robin Hobb-Büchern unterscheiden.

In letzter Zeit treten im deutschen Sprachraum die Pseudonyme allerdings sehr geballt auf – und erwecken oft den (falschen) Eindruck, der/die Romanverfasser/in sei ganz neu in der Szene. Obwohl sie eigentlich bereits mehrere Romane veröffentlicht haben. Ein Marketing-Gag? Scheint ein bisschen so. Dann aber nur ein oberflächlicher, denn oft ist das Pseudonym ziemlich schnell durchschaubar.

Mara Volkers-RomanDass Iny Lorentz an sich bereits das Pseudonym eines bayerischen Schriftsteller-Ehepaars ist, daraus wurde kaum ein Geheimnis gemacht. (Übrigens ähnlich wie bei Ilona Andrews, die ja auch keine Frau ist, sondern das Pseudonym eines amerikanischen Urban Fantasy-Autoren-Ehepaars). Zurück zu den Lorentz‘. Unter dem Namen Diana Wohlrath erschienen ihre beiden Jugendfantasy-Romane „Der Feuerthron“ und „Merani und die Schlange unter dem Meer“. Als Mara Volkers sind ebenfalls phantastische Romane von ihnen erschienen und frisch angekündigt.

Daniela Knor („Nachtreiter„) outete sich auf der Leipziger Buchmesse. Für den Roman „Der Kuss des Engels“ wurde sie zu Sarah Lukas, deren „Debüt“ sie dort auf einer öffentlichen Lesung vorstellte.Babel

Lyx kündigt mit „Hexenwut“ den Urban Fantasy-Roman einer Cay Winter an. Schöner Name. Das ebenfalls ein Pseudonym dahinter steckt, ist wohl keine Überraschung.

Auch Random House hat inzwischen offiziell enthüllt, dass Alex Morrin („Der Spiegel von Eis und Feuer„) und Lynn Raven („Der Kuss des Dämons„) ein und dieselbe Person sind.

Und in der neuen Piper-Vorschau prangt neben dem Cover des Romans „Nachtlilien“ von Siri Lindberg ein Foto von Katja Brandis, u. a. Verfasserin der Daresh-Romane.

Schon komisch. Ich schätze aber, im Endeffekt bin ich trotzdem darüber glücklicher, als wenn ich mir ein Buch von einem etablierten Autor schnappe und hinterher erfahre, dass der das gar nicht geschrieben, sondern nur seinen Namen dafür hergegeben hat. Das kommt ja leider auch oft genug vor.

Warum mir in meinem Who-is-Who der jüngsten Pseudonyme heute allerdings nur Frauen über den Weg gelaufen sind, kann ich mir auch nicht erklären … ;-)

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3 Comments »

  1. Iny Lorentz schreiben auch noch unter Nicola Marni und Eric Maron. ;-) Aber das mit Kim Harrison und Dawn Cook find ich ja interessant – wusste ich noch gar nicht. Danke für die Info!

    Comment by Steffi — 19. Mai 2010 @ 12:56

  2. Interessant. Ich finde nicht, dass sich Megan Lindholm und Robin Hobb so stark unterscheiden, aber gut, ich lese sowieso alles, wo der Name oder das Pseudonym(e) der Autorin drauf stehen.
    Das mit Mara Volkers habe ich nicht gewusst, sieh mal an. Ich muss gestehen, dass sie glatt von meiner Leseliste runter gestrichen wird, weil ich, im Gegensatz zu meiner Mutter, kein so großer Fan des Autorenpaares bin.
    Welche Autorin hinter Cay Winter steckt, hast Du noch nicht herausfinden können oder? Ich habe mich jetzt schon mehrmals auf ihrer Website umgesehen und irgendwie lockt so ein Geheimnis ja auch an.
    Die Info mit Siri Lindberg ist ebenfalls wissenswert für mich, weil mit die Nachtlilien ins Visier gekommen sind. Allerdings habe ich von Katja Brandis noch nichts gelesen, auch wenn ich es immer mal vorhatte.

    Alles in allem finde ich das mit den Pseudonymen aber ziemlich albern und für mich als Leser sehr verwirrend. Die Erklärung, dass mir das helfen soll, das richtige Genre auszuwählen, lasse ich dabei nicht gelten. Ich kann nämlich lesen …

    Comment by Soleil — 22. Mai 2010 @ 17:16

  3. Wo du letztens Seanan McGuire rezensiert hast–sie veröffentlicht demnächst unter dem Pseudonym Mira Grant einige Zombie/Horrorromane.

    Comment by Steffi — 24. Mai 2010 @ 21:59

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