Darkstars Fantasy News


7. September 2010

Tad Williams: Der Drachenbeinthron

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 07:45

DrachenbeinthronTad Williams Osten Ard-Saga (bzw. “Das Geheimnis der Großen Schwerter”) zählt auch noch zig Jahre nach ihrer deutschen Erstveröffentlichung zu den besten High Fantasy-Epen, die das Genre je hervorgebracht hat. Es ist deshalb sehr erfreulich, dass sich Klett Cotta dazu entschlossen hat, den Vierteiler in einer neuen, wunderschön aufgemachten Hardcover-Ausgabe den deutschen Lesern wieder zugänglich zu machen.

Worum es geht

Im Hochhorst, einer altehrwürdigen Burg und Stammsitz der herrschenden Königsfamilie, wächst der Waisenjunge Simon heran. Wegen seiner naiven, verträumten Art von der Dienerschaft nur „Mondkalb“ gerufen, ist keiner überraschter als er, dass ausgerechnet er zum Gehilfen des weisen Gelehrten Morgenes wird. Seine neugierige Art bringt ihn jedoch bald schon in Lebensgefahr. In den düsteren Höhlenverliesen unter der Burg macht Simon eine brisante Entdeckung: Josua Ohnehand, der Sohn des Königs, wird dort gefangen gehalten – von seinem eigener Bruder Elias, der unter dem Einfluss des machtbesessenen Priesters Pryrates steht.

Um sein Leben zu behalten, muss der Junge aus dem Hochhorst fliehen: der Beginn einer aufregenden Reise durch Osten Ard, voller düsterer Gefahren und magischen Begegnungen …

Eine Geschichte voller klassischer Motive, episch erzählt

Ein Waisenknabe, dräuende Gefahr, düstere Antagonisten und der Aufbruch ins Unbekannte – es sind beliebte Versatzstücke, aus denen Tad Williams die Handlung des Drachenbeinthrons zusammenstrickt. Die Völker, die Osten Ard bewohnen, sind Archetypen, die teils an die Wikinger erinnern, teils an die mittelalterliche Bevölkerung Zentraleuropas – bei seiner Darstellung der Elfen – oder vielmehr Sithi, wie sie sich in dieser Saga nennen – gelingt es ihm aber, klassischen Figuren eine interessante Note zu verleihen.

Interessant ist auch, dass sich Williams dazu entschlossen hat, kein Vielgottsystem einzuführen, sondern auf eine Religion zu setzen, die mit ihrem Einen Gott sehr vieles mit dem Christentum gemeinsam hat. Das verleiht der Saga einen interessanten Flavor.

Das Spiel mit den bekannten Mustern gelingt dem amerikanischen Autor aber so sympathisch und überzeugend, dass der Umstand, gewisse Handlungsschemata wiederzuerkennen, gar nicht stört. Durch seinen detailreichen Schreibstil erschafft er eine komplexe Welt, in der zu Bewegen sich richtig Spaß macht. Das bedeutet leider nicht, dass der Roman ohne Längen auskommt. Williams liebt es weitschweifig. Das sorgt einerseits dafür, dass die Geschichte einen epischen Flair verströmt, andererseits verlangt es dem Leser nicht wenig Geduld ab. Gerade zu Anfang zieht sich die Geschichte doch beträchtlich.

Die Geduld der Leser, die dennoch drann bleiben (und sei es anfangs auch nur wegen Williams angenehmer Schreibweise) wird jedoch belohnt: „Der Drachenbeinthron“ markiert den Beginn einer aufsehenerregenden Serie, die eigentlich zum Pflichtprogramm des Fantasy-Lesers gehört.

Ein Wort zur neuen Übersetzung

Ganz neu ist die nicht; war aber auch nicht nötig. Die Neuausgabe folgt der Übersetzung von Verena C. Harksen, die behutsam und erfreulicherweise nur sehr sparsam überarbeitet wurde. Änderungen finden sich nur in kleinen Details: Aus Mönchsverstecken werden Mönchszellen und so mancher Ausdruck, der im Lesefluss nicht ganz glatt war, wird etwas runder. Es ist erfreulich, dass man nicht auf Teufel komm rauß etwas verbessern wollte.

Von Tolkiens zu Williams

Der gern gezogene Vergleich mit Tolkiens „Herr der Ringe“ hinkt meiner Ansicht nach allerdings etwas. Sicherlich ist „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ ähnlich episch, in seiner Erzählweise aber aufgrund seines Entstehungsdatums nicht mehr so angestaubt wie Tolkiens Meisterwerk. Figuren und Handlung stehen bei Williams auch stärker im Vordergrund als der Weltenentwurf, durch den sich Tolkien mit seiner Mittelerde einen Namen gemacht hat. Wem also „Der Herr der Ringe“ (wie mir) etwas zu trocken war, der sollte sich auf die Reise nach Osten Ard machen! Auch wenn ihm so mancher Pfad bekannt vorkommen könnte, so gibt es hier doch viel zu entdecken!

Fakten:

Titel: Der Drachenbeinthron
Autor: Tad Williams
Originaltitel: The Dragonbone Chair (Book One of Memory, Sorrow & Thorn)
Reihe: Das Geheimnis der Großen Schwerter (1 von 4)
Übersetzung: Verena C. Harksen, überarbeitet von Andy Hahnemann
Aufmachung: Hardcover mit Schutzumschlag, 976 Seiten
Verlag: Hobbit-Presse bei Klett Cotta
Preis: 24,90 EUR

Bei Amazon bestellen: hier!

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3 Comments »

  1. Ich kann das nur bestätigen, es ist wirklich eine der besten Fantasy Reihen ever.
    Es gibt da eine bestimmte Szene auf einem Schiff mit einer ganz bestimmten Protagonistin die mich regelrecht zur Weißglut brachte und ich Zornestränen in den Augen hatte… das ist mir so gut wie noch nie passiert beim lesen eines Buches.

    Grüße
    Tarvios

    Kommentar by Thorsten Schreck — 7. September 2010 @ 09:00

  2. Lach. Ja, ich finde auch, es ist immer ein sehr guter Indikator, wenn ein Roman starke Emotionen auslöst!

    Kommentar by Darkstar — 7. September 2010 @ 11:36

  3. […] Cotta hat für den kommenden Herbst den großartigen Tad Williams (”Der Drachenbeinthron“) eingeladen. Auch hier folgen genauere Termine noch! Tags: « Was ist das Wörterbuch […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Tad Williams & Trudi Canavan in Deutschland | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 22. März 2011 @ 20:01

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