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15. Juni 2012

Die Dynastie der Drachen (1)

Category: Comics,Rezensionen – Darkstar – 18:30

DynastieChina im 11. Jhd. n. Chr.: Das Land der Mitte ist in mehrere, sich bekriegende Provinzen zerfallen. Über eines dieser Gebiete herrscht der Kaiser der Song-Dynastie mit unerbittlicher Faust. Um Unsterblichkeit zu erlangen hat er sogar einen lebenden Phönix gefangen gesetzt. Doch durch diesen Frevel beschwört er den Zorn eines mächtigen Sturmdrachen herauf, der das Land fortan mit Regenstürmen und Springfluten verwüstet. Der Drache kann nur besänftigt werden, so erfährt der Kaiser, wenn er dem Himmelstier entweder den gestohlenen Phönix zurück gibt oder aber seinen einzigen Sohn, den Thronerben, opfert. In seiner Verblendung entschließt sich der Kaiser gegen sein eigenes Fleisch und Blut. Doch bei der Übergabe geht etwas schief: Das Kind wird von Banditen entführt, der Phönix verschwindet aus seinem Käfig – und eine geheimnisvolle junge Frau taucht am Hof des Kaisers auf …

Die Dynastie der Drachen“ ist insofern ein ungewöhnlicher frankobelgischer Comic, als dass der asiatische Raum selten als Spielfeld für dieses Genre genutzt wird. Tatsächlich tut sich die Geschichte auch erzähltechnisch schwer. Um den Flair des Handlungsortes einzufangen, setzt die Texterin Hélene Herbeau auf viele asiatische Fachbegriffe, die den Laien unter den Lesern umständlich mit zahllosen Fußnoten erklärt werden müssen. Das hemmt den Lesefluss und stellt die Geduld des Publikums auf eine harte Probe. Was zum Weiterlesen bewegt ist deshalb nicht die Geschichte selbst, sondern vor allem die großartigen Bilder aus der Feder von Emmanuel Civiello. Diese sind selbst für einen frankobelgischen Comic sehr facettenreich und detailliert.

Mit „Die Dynastie der Drachen“ erschafft der Zeichner ein kleines visuelles Kunstwerk, denn er setzt die Handlung in dynamische, aufwändige Gemälde um: ausdrucksstarke Aquarelle, die zahlreiche Details ebenso realitätsnah einfangen wie die Mimik der Charaktere. Das setzt Maßstäbe. Der poetische Unterton der Geschichte wird von diesen Bildern perfekt eingefangen. Schade, dass die Handlung selbst nur bedingt überzeugt. Zu verschlungen ist die Erzählweise, um schlussendlich zu überzeugen. Dadurch richtet sich der Comicband trotz seines atemberaubenden Artworks ganz klar an Asienfans oder Comicliebhaber, denen die Handlung relativ egal ist und die sich in erster Linie an gelungenen Bildern erfreuen möchten. Oder in Zahlen ausgedrückt: Für’s Artwork gibt’s fünf Sterne, für die Story und Erzählweise selbst leider nur zwei.

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