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1. Juli 2014

Daniel H. Wilson: Das Implantat

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 17:30

Das ImplantatEine Gastrezension von Gabriele Steggerda

Wir können uns verändern. Denkt nur an die Möglichkeiten!“ (Carl Sagan)

Das Implantat“ von Daniel H. Wilson beschreibt einige Wochen im Leben des 29jährigen Lehrers Owen, der nach einem schweren Unfall als Jugendlicher ein Implantat in sein Gehirn eingepflanzt bekommen hatte. Dieses Implantat soll schwerste epileptische Anfälle verhindern. Das ist jedenfalls das Wissen, das der junge Mann von seinem Vater hat, einem angesehenen Neurobiologen.

Es ist in naher Zukunft kein Problem mehr, gehirnbedingte Schädigungen des Sehens, Hörens und der Konzentration durch ein Implantat zu beheben. Wohlhabende Menschen nutzen die neue Technik auch, um bei ihren Kindern und sich selbst die natürliche Intelligenz zu steigern. Das ruft bei vielen Menschen ein Unbehagen hervor, das sich, angeheizt durch einen Demagogen, in einer landesweiten, aggressiven Ablehnungshaltung gegenüber den Implantatträgern richtet. Der Roman beschreibt diese Zeit anhand des Lebens von Owen und seinen Gefährten. Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, um nicht zu spoilern.

Das Implantat“ ist der zweite Roman des amerikanischen Wissenschaftlers Daniel H. Wilson, der am Institut für Robotertechnik in Pittsburgh/USA einen Doktortitel für Robotik erwarb. (Interessant: Auf der Innenseite des Klappentextes findet man ein kleines Interview mit dem Autor.) Ich hatte mich voller Vorfreude auf den Roman gestürzt, da ich mir von einem wissenschaftlichen Autor einen Roman erhoffte, der durch eine wissenschaftliche Sicht entstanden ist. Diese Hoffnung wurde nicht komplett erfüllt, aber das war mein persönlicher Anspruch.

Was mir gut gefallen hat, sind die grau unterlegten Gerichtsurteile, Bedienungsanleitungen, Pressemitteilungen des weißen Hauses und Zeitungsveröffentlichungen. Das gibt es gewisse Authentizität, so dass man sich gut vorstellen kann, dass diese Geschehnisse tatsächlich so passieren könnten. Wobei ich mir allerdings denke, dass es schon mehr als ein paar wirre Köpfe braucht, damit ein fast ganzes Volk gegenüber einer Minderheit so paranoid wird. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ein paar Implantatträger die USA an den Rand eines Bürgerkrieges bringen könnten. Auch kam mir in den Kopf, dass dieser Roman ein ganzes Stück politisiert, da man oft an Gefangenenlager und Konzentrationslager und unterdrückte Menschen denken muss.

Ich hätte mir etwas mehr Tiefe beim Anlegen der Charaktere gewünscht, aber das ist auch wieder eine mehr persönliche Ansicht. Die Personen werden auf jeden Fall so beschrieben, dass man sich die Menschen gut vorstellen kann.

Im Großen und Ganzen ist „Das Implantat“ ein lesenswerter Science-Fiction-Roman, der meiner Meinung nach noch in den eigenen Gedanken nachhallt, da man sich unweigerlich die Fragen stellt:

Ab wann ist der Mensch eine Maschine oder eine Art Zwischending zwischen Maschine und Mensch?

Was ist eigentlich Mensch-sein? Was macht einen Menschen aus?

Wer Science-Fiction, Philosophie und etwas Action mag, ist mit diesem Buch gut bedient! Mich hat das Buch von der ersten Seite an gepackt und ich hatte es innerhalb kürzester Zeit regelrecht verschlungen. Zudem hat der Roman mich zum Weiterdenken angeregt und das ist Zeichen guter Bücher, das sie noch Nachwirken.

Fakten:

Titel: Das Implantat
Autor: Daniel H. Wilson
Originaltitel: Amped
Übersetzung: Markus Bennemann
Verlag: Droemer Knaur
Aufmachung: Broschiert, 386 Seiten
Preis: 14,99 EUR (Print) bzw. 12,99 EUR (ebook)

Den Roman bei Amazon bestellen: Print; ebook!

(c) Rezension: Gabriele Steggerda

Gabriele Steggerda ist 55 Jahre alt und seit ihrer frühsten Jugend begeisterte Fantasy- und Science Fiction-Leserin. Aber auch Science Fiction- und Fantasyfilme begeistern sie schwer. Außer dem Filme gucken und dem Lesen begeistert sie sich auch noch für das Mittelalter und führt eine kleine Reenactorgruppe an.

Danke für die Gast-Rezension, Gabi!

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