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30. November 2016

Susanne Gerdom: Haus der Tausend Spiegel

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 07:30

Haus der Tausend SpiegelEs gab zwar kein Mobiliar, aber dafür Spiegel, unzählige vom Staub blinde Spiegel in prächtigen Rahmen, die die Wände bedeckten.

Wenige Wochen, ehe sie ihr Studium in Chaosmagie und Buchzauberei beginnt, tritt Annik eine Stelle als Kindermädchen bei der berüchtigten Familie van Leuwen an. Dabei handelt es sich um mehr als einen Ferienjob: es ist eine Prüfung. Undercover soll sie herausfinden, was in dem riesigen Herrenhaus vor sich geht.

Sowohl von seinen Bewohnern als auch vom Haus selbst ist Annik gleichermaßen fasziniert und abgestoßen: der Hausherr Gabriel ist äußerst attraktiv, aber auch herablassend. Sein scheuer Bruder Daniel, sanft und faszinierend, bewegt sich nur im Schutz von Schatten. Dienstmädchen flüstern Annik von schrecklichen Geheimnissen zu, und während sich im belebten Teil des Hauses kein einziger Spiegel befindet, sind abgelegene Räume überfüllt von ihnen.

Bald hat Annik genug von den Geheimnissen und der harschen Art ihrer neuen Herrschaft. Am liebsten würde sie ihrer Aufgabe den Rücken kehren, wäre da nicht Elias. Gabriels kleiner Sohn spricht nicht und versteckt sich den ganzen Tag in einem Wandkoffer. Während Annik versucht, sein Vertrauen zu gewinnen, bemerkt sie nicht, wie sie sich selbst immer tiefer in den Spiegelzaubern des Hauses verliert …

Spiegel & Rosen

Es ist kein Geheimnis, dass ich sowohl Fairy Tale-Fantasy als auch Susanne Gerdoms Bücher mag. Um so schöner, wenn sich die Gelegenheit ergibt, beides auf einmal zu bekommen. „Haus der Tausend Spiegel“ spielt mit den Motiven um „Die Schöne und das Biest“, ist aber keine klassische Adaption dieses Märchens, sondern eher eine entfernte Verwandte, etwas ganz Eigenes. Ein romantisches Gothic Fairy Tale, ein Buch, voll von schwarzer Magie und dunklen Geheimnissen, die sich dem Leser erst nach und nach entblättern wie die Knospen der allgegenwärtigen Rosen.

Das Buch spielt zwar im Antwerpen der Gegenwart, allerdings in einer Welt, die eher eine Spiegelung der unseren ist als die unsere. Denn in diesem Antwerpen gibt es Hexenviertel, Buchmagier und Flüche. Was hatte ich Spaß dabei, Annik tief in das verwinkelte Haus der van Leuwens zu folgen, in das Gartenlabyrinth, die verlassenen Dachböden und die schaurigen Kellerräume. All diese Orte werden durch Susanne Gerdoms bildhaften Schreibstil greifbar. Neben der Atmosphäre des Hauses mochte ich auch seine verschrobenen Bewohner.

Besonders gefallen hat mir, dass auch der Antagonist des Buches sehr rund und menschlich gelungen ist und ich seine Motivation gut nachvollziehen kann.

Ich hoffe aufrichtig, dass dies nicht die letzte Märchenadaption von Susanne Gerdom ist – oder der letzte Roman aus diesem Antwerpen. Von beidem würde ich gern mehr lesen!

Es ist vermutlich falsch zu sagen, „Haus der tausend Spiegel“ sei das bisher beste Buch von Susanne Gerdom. Aber ich kann guten Gewissens sagen: Es ist bisher eines meiner liebsten!

Das Buch gibt’s als Softcover mit Klappbroschur und als ebook.

4 Comments »

  1. Heulende Autorin am Bildschirm. *schnief*

    Danke. Das ist ein sperriges Buch, an dem sich die Meinungen sehr spalten, deshalb zerfließe ich gerade über diese Rezension. Danke!

    Comment by Susanne Gerdom — 30. November 2016 @ 13:25

  2. Wie kann man denn bitte dieses Buch sperrig finden?
    Ich mag M. (!!!)

    Comment by Darkstar — 30. November 2016 @ 13:54

  3. Doch, es gibt einige, die das Ding einfach nicht kapieren. Zu kompliziert. Ich neige ja dazu, Plots zu sehr zu verzwirbeln, aber den hier fand ich persönlich eigentlich nachvollziehbar. Seufz.

    Comment by Susanne Gerdom — 30. November 2016 @ 15:12

  4. Zu kompliziert? Ein Buch, das also einen gewissen Tiefgang hat? … hops, Leseprobe ziehen geh … :-) Danke Darkstar, sieht nach einem interessanten Tip aus.

    Comment by Silvia — 30. November 2016 @ 21:23

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