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19. Oktober 2017

Sieben Minuten nach Mitternacht

Category: Filme/Serien,Rezensionen – Darkstar – 20:56

Sieben Minuten nach Mitternacht DVDWenn Realität und Fantasy sich vermischen

Der zwölfjährige Conor leidet schwer unter der Krebserkrankung seiner Mutter. Nach außen hin gibt er sich tough und unnahbar, innerlich brodelt es. Jede Nacht hat er den gleichen Alptraum: Seine Mutter droht, vor seinen Augen in eine Schlucht zu stürzen.

Eines Nachts, als er schon glaubt, es nicht mehr auszuhalten, taucht um sieben Minuten nach Mitternacht vor seinem Fenster ein riesiges Baummonster auf und drängt Connor in einen gefährlichen Handel: Drei Geschichten wird das Monster ihm erzählen. Drei Geschichten, in denen vielleicht der Schlüssel zur Erlösung stecken könnte. Doch dafür muss Conor dem Baummenschen im Anschluss auch eine Geschichte erzählen …

Sieben Minuten nach Mitternacht, Verfilmung des sehr berührenden Bestsellers von Patrick Ness, ist ein berührender Familienfilm, in dem Phantastikelemente und Drama miteinander verschmelzen. Wie die Buchvorlage auch ist er keine leichte Kost, sondern aufgrund seiner Ehrlichkeit und Emotionalität durchaus kräftezehrend, aber lohnenswert. Es geht nicht nur um wunderbar inszenierte Fabeln (dazu später mehr), sondern vor allem um den Umgang mit Trauer, Krankheit und Verlust.

Regisseur J. A. Bayona kannte ich bisher nur aufgrund seines Mystery-Thrillers Das Waisenhaus, der mir seinerzeit sehr gut gefallen hat. Er fängt die Welt von Patrick Ness‘ Roman in wunderbaren Bildern ein. Und zwar sowohl, was die magischen Geschichten angeht, die das Baummonster erzählt und für den Zuschauer wie Aquarell-Trickfilme inszeniert werden, als auch den schmerzhaft-realen Alltag von Conor. Zwei Welten, die sich überlagern und eine surreale Symbiose eingehen.

Dass das so gut funtkioniert, ist sicher wesentlich auch Patrick Ness zu verdanken, der selbst das Drehbuch zum Film verfasst hat. Ein Film, der (fast!) nichts von der emotionalen Tiefe des Buches verliert. Die Dialoge passen ebenso wie das Erzähltempo. Und die Darsteller agieren durch die Bank glaubhaft und intensiv. Ein besonderes Kompliment scheint da gegenüber Lewis MacDougall angebracht, der im Vergleich zur Veteranin Sigourney Weaver (gewohnt überzeugend) nicht abfällt. Sie spielt seine Großmutter, und ihr entfremdetes, schwieriges Verhältnis zueinander unterstreicht ebenfalls die Besonderheit von Sieben Minuten nach Mitternacht. Nie sucht der Streifen den einfachen Ausweg. Großmutter und Enkel können nichts miteinander anfangen, werden aber durch die äußeren Umstände aneinandergekette. Damit bewegt sich der Streifen weitab jeglicher Disney-Nostalgie, und gerade auch deshalb lohnt sich der Blick umso mehr.

So geht von dem Film etwas gleichsam Poetisches und Rohes, Ursprüngliches aus. Reduziert man ihn auf ein einziges Wort, so wäre das für mich „ehrlich“.

An Patrick Ness‘ wirklich hervorstechenden Roman kommt die Verfilmung zwar trotz allem nicht voran. Losgelöst gesehen ist Sieben Minuten nach Mitternacht jedoch ein besonderes Juwel: Herzkino einer ganz anderen Art.

Der Film erscheint heute für’s Heimkino.

Mein Interview zum Film mit Patrick Ness findet ihr in diesem Beitrag.

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