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14. März 2022

Patricia A. McKillip:
Die vergessenen Tiere von Eld

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 08:00

Die vergessenen Tiere von EldDer Zauberer Heald liebte einst in der Königsstadt Mondor eine arme Frau. Sie gebar ihm ein Kind mit einem grünen und einem schwarzen Auge. Heald, dessen beide Augen schwarz wie dunkle Marsche waren, kam und stob wie der Wind aus dem Leben der Frau. Aber das Kind blieb.

Die vergessenen Tiere von Eld” ist einer der ersten Romane von Patricia A. McKillip und wurde 1975 ein Jahr nach seinem Erscheinen mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet.

Da ich McKillips Romane mit großer Begeisterung lese, ist es eigentlich sehr verwunderlich, dass ich diesen hier bis dato noch nicht gelesen habe. Ein Makel auf meiner Lese-Liste, den ich jetzt beseitigt habe – und wenn sich meines Erachtens McKillip inzwischen als Autorin natürlich weiterentwickelt hat, war ich sehr angetan von diesem sehr poetischen Roman, der sich so wohltuend von den großen Fantasy-Epen von heute unterscheidet.

Gerade mal 200 Seiten lang ist das Büchlein, und trotzdem steckt eine epische, nachdenklich stimmende Geschichte zwischen den Buchdeckeln, deren Verlauf einen immer wieder überrascht, weil die Handlung sich in andere Richtungen entwickelt, als man das zunächst vermutet.

Die titelgebenden “vergessenen Tiere von Eld” sind magische Wesen wie etwa die Hexenkatze Moriah, deren Kenntnisse an Zaubersprüchen einst in ganz Eldwold berühmt waren, oder den schwarzen Schwan von Tirlith, der auf seinen Weiten Schwingen die Tochter eines Königs aus dem Turm trug, in dem sie gefangengehalten worden war. Diese magischen Wesen sind in Eld längst vergessen und zu Mythen geworden; niemand ahnt, dass sie auf einer einsamen Bergkuppe im Bann der Zauberin Sybel stehen, die die Tiere liebt, beschützt, aber auch an sich gebunden hält.

So lebt Sybel ein einsames, zurückgezogenes Leben weit fort von den Menschen und ihren Kriegen – bis eines Tages ein junger Mann vor ihrem Haus erscheint, der ein Kind in den Armen hält. Tam ist von königlichem Geblüt, wird aber von den Feinden des grausamen Königs bei Sybel versteckt. Nur widerwillig nimmt diese das Neugeborene bei sich aus – doch der kleine Tam schmilzt schnell ihr einsames Herz und macht Sybel weich und verwundbar. Und so wird die einsame Zauberin hineingezogen in die Welt menschlicher Intrigen und politischer Ränkespiele und verliert beinahe alles – auch ihr eigenes Herz.

Was “Die vergessenen Tiere von Eld” so besonders macht ist die ungewöhnliche Geschichte, der etwas märchenhaft-ikonisches anhaftet und Patricia McKillips Fähigkeit, tiefe Gefühle in ganz wenigen Worten anzudeuten und Sybel und die anderen Figuren durch und durch menschlich erscheinen zu lassen. Sie schreibt sehr poetisch:

Der Winter nahm sie in seinen eisigen Griff, heißt es etwa in Kapitel 3: Gewaltige Schneewehen wuchsen vor dem Haus. Eine dicke Eisschicht lag wie das kristallene Antlitz des Mondes zwischen all dem Schnee auf dem Schwanensee. Lange Eiszapfen hingen wie Gitter vor den Fenstern und wie gewaltige gefrorene Tränen vor der Haustür.

Und ich mag die Wahrheiten, die sie in knappen Sätzen zu sagen vermag, und das auf poetische Weise:

“Gestern kam eine junge Frau zu mir”, erzählt die alte Hexe Maelga Sybel. “Sie wollte eine Falle für einen Mann mit einem süßen Lächeln und liebenden Augen. Sie war eine Närrin, nicht, weil sie ihn begehrte, sondern weil sie mehr von ihm wollte als das.”

“Habt Ihr ihr geholfen?”, fragt Sybel.

Maelga antwortet: “Ich gab ihr ein Fläschchen mit lieblichem Duft. Und nun wird sie den Rest ihres Lebens eifersüchtig und elend sein.”

Diesen hintersinnigen, teils schweren, gobelinartigen Stil muss man mögen, sonst wird man mit dem Roman nicht warm. Wenn man ihn aber mag, und wenn man Romane im Stil von “Das letzte Einhorn” mag, dann sollte man es mit Patricia McKillip probieren.

In “Die vergessenen Tiere von Eld” geht es auf gerade Mal zweihundert Seiten um Einsamkeit, Liebe, Rache, Vergebung, blindem Zorn, Verzweiflung und der Tatsache, dass mit der Macht nicht automatisch auch Weisheit kommt.

Ein kleiner, wunderbarer Roman, wenn auch nicht mein liebster McKillip.

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Weitere Rezensionen zu Patricia McKillip-Romanen: Meereszauber, Das Buch der Dornen.

1 Kommentar »

  1. Du hast diese Lücke geschlossen – und wie es klingt, hat es dir auch ganz gut gefallen. :) Nach meinem Erstling “Meereszauber” war das der zweite Roman, den ich von der Autorin gelesen hatte. Und beide Geschichten sind für mich immer noch etwas Besonderes, sehr märchenhaft und poetisch.

    Und wo du es schon erwähnst: Welches Buch ist denn dein Liebling von ihr?

    Herzliche Grüße,
    Marny

    Kommentar by Marny | Fantastische Bücherwelt — 21. August 2016 @ 22:18

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