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8. November 2009

Jim C. Hines: Drei Engel für Armand

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 16:04

Drei Engel für ArmandWas wäre, wenn Cinderelle, Dornröschen & Co. nicht glücklich bis ans Ende aller Tage gelebt hätten? Im Auftaktroman seiner neuen Serie geht Jim Hines dieser Frage inspiriert auf den Grund.

Die Stiefschwestern schlagen zurück

Die frisch mit dem königlichen Thronfolger vermählte Bürgerliche Danielle Whiteshore ist eigentlich davon ausgegangen, die Schwierigkeiten in ihrem Leben hinter sich gelassen zu haben: Immerhin hat ihr Märchenprinz sie tatsächlich aus den Fängen ihrer fiesen Stiefmutter und deren beiden Töchtern gerettet, die sie seit dem Tod ihres Vaters zu einem Aschenputtel-Dasein verdammt hatten. Kurz nach ihrer Rückkehr aus den Flitterwochen stürmt jedoch eine ihrer verhassten Stiefschwestern in den Palast, wütet dort wie eine Furie – und stellt zur Überraschung aller magische Fähigkeiten zur Schau. Ein Anschlag auf Danielles Leben kann zwar in letzter Sekunde vereitelt werden, als aber kurz darauf festgestellt wird, dass ihr Ehemann Armand wie vom Erdboden verschluckt ist, wird Danielle klar, dass ihre Stiefschwestern einen perfiden Racheplan ausgehekt haben.

Um ihr zu helfen, macht ihre Schwiegermutter sie mit ihrem eigenen Geheimdienst bekannt. Dieser besteht aus zwei jungen Frauen. Die eine ist Talia, landläufig auch bekannt unter dem Namen Dornröschen, eine kompromislose, äußerst geschickte Kämpferin; die andere ist Schnee (die Kurzform für Schneewittchen), wunderschön und Adeptin der Spiegelmagie. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Gespann auf eine Reise durch das halbe Märchenreich, um Prinz Armand zu retten und Danielles größenwahnsinnige Stiefschwestern endgültig zur Strecke zu bringen.

Kunterbunt, düster und sexy: Ein Ausflug in die Welt der Märchen

Der Amerikaner Jim C. Hines hat sein schriftstellerisches Debüt mit den “Goblin”-Büchern gegeben, die mich allerdings von der Prämisse her nicht so sehr gereizt haben, als dass ich bis dato mal hineingeschaut hätte. Ganz anders erging es mir da, als ich das erste Mal von seinem “Prinzessinnen”-Buch gehört habe. Als Fairy Tale Fantasy-Fan war ich sehr gespannt auf “Drei Engel für Armand”. Die primäre Idee klang originell – Drei Engel für Charlie meets Fantasy – und die Leseprobe im Internet reizvoll.

Tatsächlich funktioniert sein Roman sehr gut. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Hines neben allen humoristischen Einfällen auch den dunklen Wurzeln der altbekannten Märchen nachzuspürt, die die heutigen Märchenbücher doch gern mal verschweigen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass im ursprünglichen Märchen der Gebrüder Grimm nicht etwa die böse Stiefmutter den Tod Schneewittchens befiehlt, sondern ihre leibliche Mutter; oder der Vorfall an Aschenputtels Hochzeit, wenn sich die Tauben vom Himmel stürzen und sich schrecklich an deren früheren Peinigern rächen. Diese Motive – und noch einige mehr – greift Hines auf und verwebt sie geschickt in seiner turbulenten Geschichte um eine Rettungsmission, bei der es nicht die Prinzessin ist, die gerettet werden muss, sondern der Prinz. Es lebe die Gleichberechtigung!

Selbst ist die Frau: Moderne Prinzessinnen

Auch bei der Erschaffung der Hauptfiguren seiner neuen Serie beweist Hines ein gutes Händchen: Er hat keine Über-Charaktere kreirt, sondern hält die Balance zwischen Archetypen und Individuen. Dabei ist Danielle, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert werden, sehr nah am Leser. Sie ist neu in ihrer Rolle als Prinzessin, noch recht unerfahren, aber willensstark und mit dem Herz am rechten Fleck.
Talia hingegen ist eine sehr spröde, direkte Kämpfernatur. Im Verlauf des Romans erklärt Hines, wie sie dazu geworden ist und erschafft dadurch ein sehr tragisches Bild vom Dornröschen-Märchen, ohne dessen alte Quellen zu verraten.
Schnee hingegen ist eine fröhliche, flatterhafte Natur, fasziniert von der Magie und verliebt in die Liebe. Sie flirtet, was das Zeug hält und setzt ihren schönen Körper zum eigenen Vorteil ein. Aber auch ihr dichtet der Autor ein schweres Schicksal an, dass sich doch recht stark vom sonst so bekannten Märchen um die sieben Zwerge unterscheidet. Reizvoll!

Nichts ist fieser als Elfenmagie

Trotz all seiner bekannten Charaktere: Es ist nicht direkt das Märchenland, in dem Hines seine Geschichte ansiedelt, aber ein Königreich, dass diesem ähnlich genug ist. Vor allem, wenn Danielle und ihre beiden neuen Freundinnen dann tief ins Herz des Elfenreichs vordringen. Dort gibt es alte Mütterchen an Kreuzwegen, sprechende Kröten, Goblins, Einhörner, Zwerge und Wasserungeheuer. Bei den helleren Szenen fühlt man sich manchmal ein bisschen an die Shrek-Filme erinnert, die ja ebenfalls mit diversen Märchenmotiven spielen, das ist aber nicht weiter schlimm.

Drei Engel für Armand ist (trotz seiner düsteren Anklänge) kein tiefschürfendes Epos und will das auch gar nicht sein. Stattdessen liefert der Roman wirklich gute, kurzweilige Unterhaltung für Märchenfans und Freunde rasanter, humoristischer Fantasy, bei der es streckenweise aber auch mal ernst und dunkel zugehen darf.

Fakten:

Titel: Drei Engel für Armand
Autor: Jim C. Hines
Serie: Die Todesengel, Band 1
Originaltitel: The Stepsisters Scheme
Übersetzung: Axel Franken
Verlag: Bastei Lübbe
Aufmachung: Taschenbuch, 445 Seiten
Preis: 9,99 €

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Mein Interview mit Jim C. Hines zum Buch: hier!

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10 Comments »

  1. Das klingt echt super. Da ich das Buch auch lesen wollte, werde ich mich jetzt wohl mal danach umsehen.
    Inwiefern ist es denn Teil 1? Richtig mit Fortsetzung oder eher Teil einer Serie, bei der es in Teil 2 mit einer anderen Figur weitergehen wird? Ich glaube etwas gelesen zu haben, dass Schnee noch ihren Auftritt bekommen wird?
    Danke auf jeden Fall für die tolle Rezi!

    Comment by Soleil — 9. November 2009 @ 11:44

  2. Mir hat es viel Spaß gemacht, das Buch!

    Teil 2 ist eine in sich abgeschlossene Fortsetzung von „Drei Engel für Armand“. Die Geschichte selbst ist im ersten Band abgeschlossen.
    Im Mittelpunkt der Folgebände (bis dato ist der Autor für vier Stück unter Vertrag, die weiteren sind „The Mermaids Madness“, „Red Hoods Revenge“ und „Secret of the Snow Queen“) stehen wieder Danielle, Talia und Schnee.

    Schnee hatte bereits im Finale von „Drei Engel für Armand“ einen wunderbaren Auftritt; ich hoffe aber, dass sie und Talia in den Folgebänden noch mehr Rampenlicht erhalten :-)

    Comment by Darkstar — 11. November 2009 @ 21:19

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