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4. August 2017

Rainbow Rowell: Aufstieg und Fall
des außerordentlichen Simon Snow

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 07:30

Simon SnowEr ist der Auserwählte. Es ist sein letztes Jahr auf der Zaubererakademie und mit seinen besten Freunden hat er bereits viele Schlachten geschlagen. Er ist der Mittelpunkt einer Prophezeiung, die die Welt der Magie für immer verändern wird. Sein Zimmergenosse hasst ihn. Oder? Dieses Schuljahr wird sich für Simon Snow alles ändern!

Um Rainbow Rowells Roman Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow (im Original schlicht Carry On genannt) wurde im englischen Sprachraum gewaltig viel Wirbel gemacht.

Das hat mit seiner Entstehungsgeschichte zu tun. Simon Snow ist eine fiktive Figur, die in Rainbow Rowells Jugendbuch Fangirl eine Rolle spielt. Dort ist er der Hauptcharakter eines erfolgreichen Jugendbuch- und Filmfranchises, und die Protagonistin von Fangirl schreibt Fanfiction über ihn und seinen Mitbewohner und Erzfeind Baz. Es ist überdeutlich, dass Simon Snow stark an Harry Potter angelehnt ist, Rowell diesen Namen in Fangirl aber nicht gebrauchen wollte.

Dann hat sie beschlossen, die Geschichte von Simon und Baz selbst zu erzählen. Nicht die Fanfiction ihrer fiktiven Hauptfigur auf Romanlänge auszuweiten, sondern eine eigene Geschichte zu schreiben. „Ich habe viele Geschichten über magische Auserwählte gelesen und sie gemocht“, sagt sie im Nachwort. „Simon Snow ist meine Geschichte.“

Das ist der eine Grund für den Kultstatus, den das Buch in Fankreisen genießt. Der zweite Grund ist, dass hier im Buch Harry Simon mit Malfoy Baz zusammen kommt.

Wie also ist Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow? Lohnt sich der Griff zum Buch?

Ja, sage ich jetzt, wo ich das Buch zugeschlagen habe. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auf den ersten 150 Seiten wirklich mit mir gehadert habe. Den die lesen sich wie eine problematische Fanfiction.

Rainbow Rowell hat (aufgrund der Entstehungsgeschichte von Simons Welt in Fangirl) ganz, ganz viel an J. K. Rowlings Harry Potter-Welt angelehnt, stand jedoch gleichzeitig vor dem Problem, dass sie nichts 1:1 kopieren durfte. So gibt es ein Zauberschulinternat, aber es heißt nicht Hogwarts School of Witchcraft and Wizardy, sondern Watford School of Magicks. Daneben befindet sich zwar nicht der Verwunschene Wald, dafür aber der Schwankende Wald. Auf dem Schulgelände lebt nicht der unkonventionelle Hagrid als Wildhüter, sondern die unkonventionelle Ebb als Ziegenhirtin. Und Simons beste, superschlaue Freundin heißt nicht Hermine, sondern Penelope, sein Erzfeind Baz stammt aus einer alten, mächtigen Zaubererfamilie, die nichts vom Magier hält.

Ich denke, jetzt habt ihr eine ungefähre Vorstellung. Im ersten Drittel war mir der Roman gleichzeitig zu ähnlich den Harry Potter-Büchern als auch krampfhaft zu minimal unterschiedlich – und das, schon aufgrund der Länge, nicht detaillverliebt genug wie J. K. Rowlings knallbonbonbunte Hogwarts-Welt.

Beinahe hätte ich das Buch aus der Hand gelegt – wenn nicht einige wenige Details spannend gewesen wären. Wie die Geister der Verstorbenen, die um Halloween herum ihre lebenden Hinterbliebenen aufsuchen wollen, um sie zu warnen. Auch bei Simon taucht ein solcher Geist auf. Allerdings sucht der nicht ihn, sondern Baz, der vom Erdboden verschwunden scheint. Und plötzlich soll Simon seinem Erzfeind eine wichtige Nachricht überbringen.

Und dann war da noch Agatha, Simons Langzeit-Freundin, aus deren Sicht auch einige wenige kleine Passagen geschrieben sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die halbe Welt von Simons Best Buddy Penelope schwärmen wird, Rowells Hermine-Pendant. Ich persönlich muss sagen, dass ich schon lange keiner Buchfigur in einem Jugendroman begegnet bin, die mich so berührt hat und mir so ehrlich-authentisch erschien wie Agatha. Sie ist nicht perfekt, aber gerade deshalb extrem nachvollziehbar. Toll! Also blieb ich drann.

Erfreulicherweise blieb ich drann, denn nach ca. 150 Seiten taucht Baz auf. Und – wow! – ist er eine Rampensau! Normalerweise stehe ich in Büchern und TV-Serien nicht sonderlich auf die Bad Boys (die sind mir oft zu pseudo), aber Baz hier: Hammer! Spitzzüngig, intelligent, charmant … er stiehlt jede Szene.

Und sobald Baz in Watford auftaucht, kommt die Geschichte (und Rowell) auch in die Puschen. Endlich passiert was, endlich wird’s interessant; die Handlung wird komplexer, etwas weniger unvorhersehbar, auch wenn das Finale keine große Überraschungen bietet.

Und die Liebesgeschichte zwischen Simon und Baz wirkt gleichzeitig heiß und authentisch. Anders als in vielen Fanfictions spielt sie übrigens eine eher untergeordnete Rolle, und das tut dem Buch ebenfalls gut.

Wird euch Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow also auf jeden Fall gefallen, wenn ihr Harry Potter-Fans seid? Nein, nicht unbedingt.

Wenn ihr phantastische Coming of Age-Geschichten mögt, in denen sich eine Vielzahl der jugendlichen Charaktere mutig und realistisch verhalten; in denen sie sich sehr authentisch streiten, miteinander diskutieren und zusammenarbeiten, dann solltet ihr auf jeden Fall einen Blick in das Buch werfen. Die Dialoge sind rasant, amüsant und wirken echt. Das ist die wahre Magie an Rainbow Rowells Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow.

Das Buch online bestellen: Hardcover, ebook.

 

 

Rainbow Rowells Figuren sind kantiger als die von Rowling.

 

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