Darkstars Fantasy News


21. April 2010

Claudia Toman: Jagdzeit

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 21:29

Jagdzeit (Claudia Toman)Zu ihrem großen Entsetzen erwacht die 30jährige Olivia, bekennende Großstadpflanze mit Naturphobie, eines Morgens mitten im Wald. Noch dazu völlig unpassend gekleidet im schicken Röckchen und Stilettos.
Was als Flucht vor der drohenden Deadline für ihren zweiten Roman (und der immer ungehaltener werdenden Verlagsmitarbeiterin) und irrationalem Reanimationsversuch ihres zur Zeit nicht vorhandenen Liebesleben in einem begann, hat sich in einen ausgewachsenen Alptraum entwickelt:

Von einem verlängerten Wochenende in einem einsiedlerischen Bergdorf hat sich Olivia Inspiration und ein kleines Techtel-Mechtel erhofft. Statt eines attraktiven Traumprinzen trifft sie jedoch auf einen ihr auf Anhieb unsympathischen Privatdedektiv und eine Gruppe sehr abweisender Einwohner. Schnell wird ihr klar, dass im Bergdorf etwas oberfaul ist. Anstatt jedoch in die geliebte Großstadt zurückzukehren, beginnt Olivia in Themen herumzuschnüffeln, die sie nichts angehen und die Lage spitzt sich für sie dramatisch zu.

Olivia befindet sich in der Zwickmühle: Eigentlich sollte sie um ihr Leben rennen. Andererseits würden sich aber ihre schriftstellerischen Probleme in Luft auflösen, sollte es ihr gelingen, die Quelle der Wünsche zu finden. Die soll mysteriösen Hinweisen zufolge tief im Wald verborgen sein. Während sie panisch durch die Botanik stöckelt, besiegt ein weiteres Mal ihre Neugier ihren Verstand und Olivia begibt sich auf eine phantastische Suche …

Keine Vorkenntnisse erforderlich!

Das Wichtigste zuerst: Auch wenn “Jagdzeit” der zweite Roman um Claudia Tomans ungewöhnliche Chick Lit-meets-Fairy Tale-Heldin Olivia ist: Man muss den ersten Roman (“Hexendreimaldrei”) tatsächlich nicht gelesen haben, um den neuen Roman zu verstehen. Toman konstruiert ihre Story so, dass sie völlig für sich stehen kann. Weder setzt sie Vorwissen voraus, noch ergeht sie sich in Seitenlange Erklärungen á la „Was bisher geschah“. Wen ich es nicht besser wüsste, hätte ich vielleicht sogar den Eindruck gehabt, das “Jagdzeit” Olivias erstes Abenteuer ist. Damit gelingt Claudia Toman etwas, was sich viele Autoren vornehmen, die wenigsten allerdings schaffen.

Die, die “Hexendreimaldrei” kennen, werden erstaunt darüber sein, wie erfrischend anders “Jagdzeit” im Vergleich zu Thomans Debütalbum ist. Und das liegt nicht nur daran, dass sich die Autorin stilistisch weiterentwickelt hat. Die Chick Lit-Elemente, wenn auch vorhanden, rücken in den Hintergrund. Was das neue Buch mit dem Vorgängerband gemeinsam hat ist, dass es sich beharrlich weigert, sich in ein bestimmtes Genre einteilen zu lassen: Die Autorin setzt auf einen kriminalistischen Mystery-Plot, in den sie die spirituelle Reise ihrer Hauptfigur und zahlreiche Märchen- und Sagenelemente einwebt.

Eine Protagonistin am Rande des Nervenzusammenbruchs

Und durch diese Handlung stapft – manchmal mit wahrer Brachialgewalt – die nüchterne, oft herrlich unvernünftige Hauptfigur Olivia. Claudia Toman gibt ihrer Protagonistin (eine etwas rundliche, ab und an hysterische, Sex and the City-liebende Nachwuchs-Autorin) eine so starke Stimme, dass es schlussendlich wohl davon abhängt, ob man die Bücher mag oder nicht. Mir hat sie schon in “Hexendreimaldrei” gefallen und in “Jagdzeit” tut sie das noch viel mehr. Olivia ist keine toughe Urban Fantasy-Kämpferin, sondern eine dreidimensionale, manchmal zickige junge Frau, die oftmals erst redet und dann denkt, aber nie kuscht und beharrlich ihren Weg geht. Das macht die Figur ehrlich, sympathisch und wohltuend anders als so manche Hardcore-Heldin – auch, wenn es Claudia Toman bei manchen Szenen übertreibt. Gerade in den Szenen mit dem Privatdedektiv kommt Olivias zickige Art eine Spur zu heftig rüber und wirkt dadurch überzogen. Freilich kann man das auch auf prämenstruelle Syndrom schieben, dass die Romanheldin in “Jagdzeit” plagt.

Wölfe, Hexen und eine rote Lederjacke

Das vorherrschende Märchenmotiv, dem sich die Autorin diesmal widmet, ist Rotkäppchen. Im aktuellen Buch sind es jedoch nicht nur die Grimmschen Märchen, deren Motive Toman verfremdet in die Handlung einfließen lässt, sondern zahlreiche Bilder aus der nordischen Mythologie (der Urdbrunnen, Mimirs Kopf, Odin & Co.). All das gelingt ihr wunderbar. Für zusätzliche Spannung sorgt, dass die Handlung nicht linear erzählt wird, sondern zwischen “Gegenwart” und “Vergangenheit” hin und herspringt. Das sorgt für einiges an Dynamik, lädt den Leser zum Rätselraten ein – und ist dafür verantwortlich, dass ich das Buch in Rekordzeit gelesen habe.

Claudia Tomans Romane um Olivia sind ungewöhnlich – auf eine gute Art! Ein süffiges Lesevergnügen, dass in mir bereits die Vorfreude auf den dritten Band geweckt hat.

Fakten:

Titel: Jagdzeit
Autorin: Claudia Toman
Reihe: Olivia (2)
Verlag: Diana
Aufmachung: Taschenbuch, 336 Seiten
Preis: 8,95 €

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Link-Tipps:

Interview zu “Jagdzeit”

Ausführliches Interview mit Claudia Toman

Meine Rezension zu “Hexendreimaldrei”

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1 Kommentar »

  1. […] leichten Hysterie unheimlich sympathische!) Heldin Olivia. Anders aber als Hexendreimaldrei und Jagdzeit kann man diesen Roman nicht ohne die Kenntnis der beiden vorangegangenen Bände lesen. Zu viel, was […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Claudia Toman: Goldprinz | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 26. September 2011 @ 13:15

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