Darkstars Fantasy News


30. Mai 2013

Kresley Cole: Shadow’s Claim
Darkstar testet Paranormal Romance

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 11:00

Kresley Cole: Shadow’s ClaimAnfang der Woche habe ich ja verkündet, dass ich mich an einem Liebesroman versuchen werde, genauer gesagt an einem Paranormal Romance-Roman. Meine Wahl fiel auf „Shadow’s Claim“ von Kresley Cole.

Für die Autorin habe ich mich entschieden, weil sie sich meines Wissens sowohl hierzulande als auch in den USA gut verkauft; weil sie von ihren Leserinnen überwiegend gute Amazon-Kritiken bekommen hat – und weil mir die Inhaltsangabe von „Shadow’s Claim“ gut gefallen hat – das klang nämlich nach der richtigen Mischung Fantasy und Liebesgeschichte:

#1 New York Times bestseller Kresley Cole introduces The Dacians: Realm of Blood and Mist, a new paranormal series following the royal bloodline of Dacia, a vampire kingdom hidden within the Lore of the Immortals After Dark.

Trehan Daciano, known as the Prince of Shadows, has spent his life serving his people—striking in the night, quietly executing any threat to their realm. The coldly disciplined swordsman has never desired anything for himself—until he beholds Bettina, the sheltered ward of two of the Lore’s most fearsome villains. SHE’S BOUND TO ANOTHER

Desperate to earn her guardians’ approval after a life-shattering mistake, young Bettina has no choice but to marry whichever suitor prevails—even though she’s lost her heart to another. Yet one lethal competitor, a mysterious cloaked swordsman, invades her dreams, tempting her with forbidden pleasure.

A BATTLE FOR HER BODY AND SOUL

Even if Trehan can survive the punishing contests to claim her as his wife, the true battle for Bettina’s heart is yet to come. And unleashing a millennium’s worth of savage need will either frighten his Bride away—or stoke Bettina’s own desires to a fever pitch. . . .

Soweit, so gut.

Ich selbst würde den Inhalt so beschreiben:

Bettina (Tina) entstammt der anrüchigen Verbindung einer Zauberin und eines Dämonen. Nach dem gewaltsamen Tod ihrer beider Eltern in ihrer Kindheit haben sich ihrer die miteinander zerstrittenen besten Freunde ihrer Eltern als Paten angenommen: der Dämon Raum, König von Abaddon, und die spitzzüngige Morgana, Königin der Sorceri.

Nachdem eine verfeindete, blutrünstige Dämonenrasse Tina bei einem Ausflug in die Welt der Menschen angreift, sie lebensgefährlich verletzt und ihr ihre Kräfte nimmt (Tina besaß als „Queen of Hearts“ die Macht, den Schlag eines Herzens zu beeinflussen), beschließen ihre Paten, ein Turnier auszurichten. Wer dieses gewinnt, wird Bettinas Ehemann und an ihrer Seite König von Abaddon. Sie selbst soll ihre Kräfte zurückerhalten und wird endlich einen starken Beschützer an der Seite haben, so dass sie sich vor dämonischen Mordanschlägen nicht mehr fürchten muss.

Von diesem Plan hält Tina allerdings (verständlicherweise) wenig. Sie liebt seit ihrer Kindheit ihren besten Freund Caspion, der allerdings als „der beste Freund der Huren von Abaddon“ gilt und an Tina kein sexuelles Interesse zeigt. Trotzdem gelingt es ihr, ihn zu überzeugen, am Turnier teilzunehmen.

Ebenfalls am Turnier teil nimmt der geheimnisvolle Vampir-Assassine Trehan, dem Bettina bei einem seiner Aufträge begegnet ist. Trehan weiß, dass Bettina seine „Braut“ ist, jene Seelengefährtin, die sein vor Jahrhunderten stehen gebliebenes Herz wieder zum Schlagen gebracht und ihn damit in einen sexuell aktiven Mann zurückverwandelt hat. (okaaay … )

Er ist fasziniert von Bettina und will sie erobern, auch wenn diese zunächst nur Augen für Caspion hat – für den Mann, den er im Turnier töten muss, wenn er gewinnen will. Doch würde er damit nicht Bettinas Liebe verspielen? Während das brutale Turnier sich über mehrere Tage erstreckt, sucht Trehan nach Mitteln und Wegen, das Herz von Bettina zu erobern (und sie ins Bett zu bekommen). Natürlich gelingt ihm nicht nur dies, sondern die Autorin findet auch einen Ausweg, Caspions Leben zu retten – und Bettina ihre Kräfte zurück zu geben …

Soweit der Inhalt. Jetzt zu meiner Meinung:

„Shadow’s Claim“ ist der erste, in sich abgeschlossene Band einer Spin Off-Serie von Kresley Coles „Immortal after Dark“-Reihe. Der Paranormal Romance-Roman, der mit mehreren expliziten Sexszenen gespickt ist, spielt fast ausschließlich in dem mystischen, pseudomittelalterlichen Dämonenreich Abaddon. Paranormal Romance trifft also auf ein ungewöhnliches High Fantasy-Setting, das mit fast allem bevölkert ist, was die Mythologie her gibt: Dämonen, Zauberinnen, Trolle, Vampire, Luftgeister u. v. m. Dadurch entsteht eine turbulente, auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassende Mischung – Walküren treffen auf „Meduso, den Sohn der Medusa“ (aha).

Das Ergebnis wirkt, als wäre es für einen Low Budget-Fantasy-Film entworfen worden; und das von jemandem, der von klassischer High Fantasy keine Ahnung hat.

Aber Kresley Cole will ja auch keine Fantasy-Saga erzählen, sondern knisternde Erotik liefern in ungewöhnlichem Gewand. Das immerhin schafft sie. Wer den Weltenbau nicht hinterfragt und sich nur für die Liebesgeschichte zwischen Tina und Trehan interessiert, kommt auf seine Kosten.

Nachdem ich nämlich den ersten Schock darüber überwunden habe, was für teils jämmerliche Figuren Kresley Cole in den Mittelpunkt ihrer Handlung stellt, kam ich nicht umhin, der Autorin zuzugestehen, dass es ihr gelingt, eine sich langsam und glaubwürdige Liebesgeschichte zu entwerfen, die mit einigen heißen, sich von mal zu mal steigernden Sexszenen gewürzt wird. Wer das mag, wird begeistert sein vom ehrenhaften Alphamännchen Trehan, der Bettina nur glücklich machen will und trotz seiner 900 Jahre als erbarmungsloser Krieger unter ihren Händen schmilzt wie Eis in der Sonne.

Natürlich behält er trotzdem die Hosen an: Im Gegenzug dafür, dass er Caspion auf Bettinas Bitten verschont und zur Seite steht, muss sie nachts in sein Zelt kommen und ihn Baden usw. Zitat: „The need to mark his mate grew irresistably, not for blood but for domination (…) He only wanted to possess and to master her.“ (Kein Kommentar!)

Weil sie natürlich aufgrund des Zaubers, der während des Turniers auf ihr lastet, Jungfrau bleiben muss, finden beide diverse Mittel und Wege, sich gegenseitig Lust zu verschaffen. Ein kleines Textzitat, um zu verdeutlichen, was für Szenen so auf einen zukommen:

„As he sucked her cream from his fingers, he groand around them, beginning to spill into her hands.“

Während Trehan sogar irgendwie sympathisch und glaubhaft wirkt, trifft das auf die anderen Figuren leider nicht zu:

Der Roman, der jeweils in der dritten Person abwechselnd aus der Sicht von Bettina und Trehan erzählt wird, beginnt damit, dass Tina von einer Horde Dämonen so vermöbelt wird, dass ihre Rippen aus ihrem Brustkorb herausstechen (!) und ihr das Rückgrat gebrochen wird. Auch, wenn eine Frau den Roman verfasst hat, so empfand ich als männlicher Leser diese Szene doch in Puncto „Gewalt gegen Frauen“ bzw. einfach nur „Gewaltdarstellung“ zu heftig! Hat das wirklich was mit Darstellung eines Traumas zu tun? Ich weiß nicht …

Aber dabei bleibt’s nicht:

Um dem Turnier zu entgehen, lässt Bettina sich dann mit Alkohol volllaufen und versucht, Caspion auf superbillige Art ins Bett zu bekommen. Sie verhält sich wie eine Schlampe und merkt in der darauffolgenden Nacht noch nicht einmal, dass sie nicht mit Caspion in ihrem Bett rummacht, sondern mit Trehan, der sich in ihrem Schlafzimmer materialisiert hat (!!). (Hallo?! Ja, sie war angetrunken, aber der Typ hat mit ihr gesprochen! Und sie erkennt nicht, dass er ganz anders klingt als ihr bester Freund seit Jugendtagen?!)

In ihrer Freizeit schmiedet Tina aus Gold Waffen. Ja. Waffen. Dass Gold ein besonders weiches Material ist, scheint ihr nicht klar zu sein.

Leider sind andere Figuren auch nicht viel sympathischer angelegt:

Ihr Diener Salem ist ein Luftgeist ohne Körper, der einst ein ruchloser Krieger war, jetzt aber nur noch anzügliche Sprüche auf Lager hat; ihre Patin Morgana ist die mächtigste Zauberin der Welt, aber gleichzeitig so überzogen eitel wie Schneewittchens Stiefmutter. Während Tina neben ihr steht, gibt sie Sätze von sich wie „We want the princess looking elaborate! But not necessarily ostentatious. Though she could never upstage me, I don’t want her to appear to be trying to.“ (Bitch, please!)

Ebenso hirnverbrannt wie das Verhalten so mancher Figur ist leider auch das Storykonstrukt um das Turnier. Als Leser frage ich mich ernsthaft, warum Bettinas Paten ein solches für eine gute Idee halten?

Am Turnier dürfen nicht nur hässliche, hohlköpfige Wesen wie hirnlose Trolle teilnehmen, sondern auch zum Tode verurteilte Verbrecher, die im Turnier die letzte Chance sehen, doch ihr Leben zu behalten(!). Kurzum: Die Kämpfer sind zum Großteil Abschaum. Entschuldigung, aber warum wollen Raum und Morgana einen solchen potentiellen Ehemann für ihre angeblich geliebte Patentochter in Kauf nehmen? Das tu‘ ich doch nur jemandem an, den ich hasse. Tun die beiden aber nicht – sagen sie jedenfalls. Ihre Motivation wird nicht erklärt.

Bettina selbst bekleckert sich dann auch nicht gerade mit Ruhm, wenn sie, als Trehan sie auffordert, ihr im Gegenzug dafür, Caspions Leben zu schonen, ein anderes Opfer zu wählen, sinngemäß sagt: „Dann nimm den hässlichen Troll da.“

Kurzum: Für mich war das nichts.

Ich weiß, ich gehöre nicht zum Zielpublikum, aber gegen Liebesromane habe ich eigentlich nichts. Nur sollte meiner Meinung nach eine Handlung nicht zu viele Logiklöcher haben. Kresley Cole schert sich darum nicht, auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Bettina und Trehan überzeugt.

Vermutlich sind Paranormal Romances nicht generell so. Vielleicht habe ich auch ein wirkliches „Schätzchen“ erwischt. Aber sei es, wie es will, nach „Shadow’s Claim“ bin ich ein bisschen geschockt davon, dass Cole eine New York Times-Bestsellerautorin ist und mit was sich storytechnisch ihre Leser offensichtlich zufrieden geben.

Liest von euch jemand regelmäßig Paranormal Romances? Kann mir jemand sagen, ob das für das Genre typisch ist, oder ob Kresley Cole dann doch eher die Ausnahme ist?

Ich möchte auch abschließend betonen, dass ich durchaus auch schon tolle Paranormal Romances gelesen habe. Ilona Andrews „Land der Schatten“ fand ich z. B. großartig. Und auch in einigen Juliet Marillier-Romanen steht die Liebesgeschichte im Zentrum, wie z. B. im wunderbaren „Sohn der Schatten„. (Keine Ahnung, warum die Bücher alle Schatten / Shadow im Titel haben).

Der Paranormal Romance-Test hat mich aber bisher noch nicht vom Genre überzeugt.

Trotzdem bin ich offen. Hat jemand einen Tipp für einen richtig guten LiRo, der auch als klassischer LiRo gilt, den ich mir mal anschauen sollte?

8 Comments »

  1. Seit Deiner Ankündigung, dass Du LiRos lesen willst, komme ich aus dem lachen nicht mehr heraus! *g* Die Immortals After Dark *lach* Die fass ja nicht mal ich an …
    Bitte nicht noch mehr, mir tut schon der Bauch weh.

    Comment by Soleil — 30. Mai 2013 @ 11:25

  2. PS: Sorry für den Doppelpost, aber warum schaust Du Dich nicht mal bei Armitage um? Wenn jemand Paranormals sucht, wird er da doch auf jeden Fall fündig.

    Comment by Soleil — 30. Mai 2013 @ 11:26

  3. @Soleil:

    Okay, dann war Kresley Cole wohl die falsche Wahl. Aber ganz ernsthaft: Die wird total gelobt im Internet und sie klang so fantastisch!

    Ist Armitage ein Verlag, eine Autorin oder ein Blog?

    Comment by Darkstar — 30. Mai 2013 @ 11:52

  4. Meine Güte, ich lach´mich schlapp. Du hast sehr schön den ganzen Schwachsinn aufgezeigt.
    Ich verstehe überhaupt nicht, wieso solche haarsträubenden Sachen bei Leserinnen gut ankommen.

    Ich habe mich ja an Nacht des Begehrens versucht, ist aber schon eine Weile her. Was für eine grauenhafte Schmonzette. Danach habe ich einen weiten Bogen um die Autorin oder ähnlichen Kram gemacht.

    Das Paranormal Romance auch anders geht, zeigt das Autorenehepaar Ilona Andrews mit ihrer Edge-Reihe deutlich. Wie du ja selbst erfahren hast.

    Vielleicht hättest du bei deiner Auswahl vorher die negativen Bewertungen von Kresley Cole lesen sollen, dann hättest du gleich gewusst, auf was du dich damit einlässt.

    Und zu dem Thema gestern, von wg. Frauen in dem Genre müssen immer schwächer sein als ihre Partner.
    Ich habe überlegt, und mir ist so spontan eigentlich nur Payne aus J.R. Wards Black-Dagger-Reihe eingefallen. Die ist eine sehr starke Vampirin, eine Kriegerin, und sie bekommt einen ihr körperlich unterlegenen Menschen als Seelengefährten und Liebhaber. Vielleicht musste Ward sie ja deshalb in dem Band bewegungsunfähig durch eine Wirbelsäulenverletzung machen, um diese ungeschriebene Regel nicht zu verletzen.

    Aber hast du mal mit Olga über das Thema gesprochen? Die schreibt doch auch in dem Bereich ihre Romance-Thriller.

    Comment by Djamena — 30. Mai 2013 @ 12:33

  5. http://world-of-armitage.de/
    Rechts außen, oben sind ihre Übersichtsseiten.
    Für die meisten, die ich kenne, mich eingeschlossen, war Laurell K. Hamilton Einstieg ins Genre. Ich bin allerdings bei Band 6 oder 7 ausgestiegen. Ansonsten schwören viele Leser auf Thea Harrison (die sollte ja eigentl. auch auf der LLC sein, musste dann aber wohl absagen). Ich persönlich mag L.J. MacDonald gern, aber das ist mehr Fantasy als Paranormal. Meine Mutter schwört auf Lara Adrian und hat jetzt Nalini Singh für sich entdeckt. Cloe Neill mochte ich noch ganz gern und werde demnächst nochmal mit Band 1 beginnen, weil es schon so lange her ist und ich in der Reihe weiterlesen möchte.
    Ein Hinweis noch: Ich glaube, in diesen Büchern geht es weniger um den Rahmen, also z.B. die Wesen die es so gibt. Alles was wirklich zählt ist die Liebesgeschichte. Und die scheint Dich ja überzeugt zu haben und so wird es anderen Lesern auch gegangen sein.

    @Djamena:
    Von Ward sollte er sich lieber fernhalten. Das ist ja da auch alles nicht anders.

    Comment by Soleil — 30. Mai 2013 @ 15:59

  6. Oh jesses, Kresley Cole! Ich habe mal den ersten Teil ihrer Immortals After Dark gelesen und fand selten ein Buch so bescheuert wie das. ;)
    Aber dein Beitrag hat mich herrlich amüsiert!

    Ich selber mag ab und zu einen Paranormal Romance – ich mag Nalini Singh, Lara Adrian und Lori Handeland. Und Chloe Neill werde ich demnächst mal testen.
    Generell bin ich in dem Bereich ziemlich kritisch. Zu viele Logiklöcher darf es nicht geben und ich mag es auch nicht, wenn es zu lustig wird – Glitzervampire wirken auf mich einfach nur albern. ;)

    Comment by Hermia — 30. Mai 2013 @ 17:41

  7. […] für das wirklich schöne Cover!) Nach meinem eher erfolglosen Selbstversuch mit einem LiRo (siehe hier) gebe ich jetzt also mal dieser schwulen Liebesgeschichte eine Chance. Ich hoffe, viele von euch […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Promises - Nur mit dirSchwuler Liebesroman bei LYX erschienen | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 19. Juli 2013 @ 09:47

  8. […] mich schnell gefunden. Das mit großem Abstand mieseste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, war SHADOW’S CLAIM von Kresley Cole. Selten ist mir ein Buch mit so einem unlogischen Plot und unglaubwürdigen […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Darkstars Tops & Flops 2013Ein subjektiver Rückblick über mein Lese-Jahr | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 2. Januar 2014 @ 08:41

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