Darkstars Fantasy News


3. Januar 2020

Büchertipps für die Winterzeit

Category: Artikel – Darkstar – 15:16

WinterweltEs gibt wenig, was ich gemütlicher finde, als in der Winterzeit mit einem heißen Tee und einem guten Buch am Kamin zu sitzen, während es draußen stürmt und schneit.

Eingemummelt in eine dicke Decke, der Geruch von Zimt und Orangen und das prasselnde Feuer im Hintergrund – da fällt es leicht, abzuschalten und für eine Weile in fremde Welten zu entschwinden. Auch – oder vor allem – wenn ein eisiger Winter, Schnee und Kälte dort regieren.

Nun lassen dieses Jahr zwar Eis und Schnee auf sich warten (nicht, dass ich etwas dagegen hätte), aber immerhin ordentlich klirrend kalt ist es letzte Woche geworden. Deshalb gibt es heute auch traditionell wieder meine Lesetipps zum Thema „Winter-Bücher“. Dabei konzentriere ich mich auf jene, bei denen die eisige Kälte der dunklen Jahreszeit eine signifikante Rolle spielt.

Der Spiegel von Feuer und Eis
von Alex Morrin / Lynn Raven

Der Spiegel von Feuer und EisMärchenhaft, wild und romantisch – und mit tollen Beschreibungen einer klirrend kalten Winterwelt ausgestattet – ist Lynn Ravens für sich stehender Roman „Der Spiegel von Feuer und Eis“.

Gejagt von der Eiskönigin, die den ewigen Winter über das Land bringen will, fällt die junge Cassim in die Hände des geheimnisvollen Morgwen. Ist er ihr Retter – oder eine Bedrohung?

Firnwölfe, ein Eisprinz, Zwerge und Winterdryaden – die Autorin erzählt eine eigene Geschichte, verbeugt sich aber gleichzeitig vor Hans Christian Andersens Schneekönigin und C. S. Lewis Der König von Narnia und dürfte vor allem Märchenfans und Freunde romantischer Fantasy-Liebesgeschichten ansprechen.

Ascheherz
von Nina Blazon

AscheherzWinterblüten, Tod und Asche, tragische Geheimnisse, vom Wind umtoste Türme, eiskalte Meereswogen und eine vergessene Liebe – diese Schlagworte beschreiben für mich Nina Blazons wunderschönen Roman „Ascheherz“.

Der betäubende, frische Duft der Eisblüten umwehte sie und der Schnee drückte sich zwischen ihren Zehen hindurch, als sie zum mondbeschienenen Plateau schritt.

Darin erzählt sie von einer phantastischen Welt, die dem Tod den Krieg erklärt hat. Allerorts rekrutieren Fürsten Soldaten, um sie gegen die mysteriöse Lady Mar ins Feld zu schicken. Die geheimnisvolle Frau, die ihr Gesicht hinter einer eisernen Maske vor den Augen Fremder verbirgt, residiert mit ihrem Gefolge in einer Zitadelle im hohen Norden der namenlosen Welt. Niemand weiß, dass es ihre Diener sind, die dank ihrer magischen Flügelmäntel zwischen der Zeit reisen und den Sterbenden in der Stunde ihres Todes mit einem letzten Kuss den Übergang erleichtern. Und doch scheint es Menschen zu geben, die ahnen, dass die Lady mehr ist als ein Mensch. Lady Tod nennen sie sie, und sie sind fest entschlossen, ihre Macht zu brechen.

Nina Blazon verwebt in Ascheherz geschickt verfremdete Bruchstücke alter Märchen und Sagen und zahlreiche eigene Ideen zu einem schillernden Kunstwerk.

Das Schwert der Schatten
von J. V. Jones

Schwert der Schatten Freunden epischer Sagas lege ich dann eher J. V. Jones High Fantasy-Epos vom „Schwert der Schatten“ ans Herz. Die ersten Bände sind vor Jahren bei Knaur erschienen, der dritte und vierte Band sind bisher nur auf Englisch erhältlich, weil nach dem Einstellen der High Fantasy-Linie bei Knaur bislang kein Verlag die Reihe wieder ins Programm genommen hat.

Zu unrecht, eigentlich, denn die Serie liest sich extrem spannend. Wie das seit George R. R. Martin sehr modern ist, wird die Reihe aus Sicht mehrere Point of View-Charaktere erzählt, unter ihnen der Clans-Krieger Raif, der eine geheimnisvolle Begabung hat, die ihn unweigerlich jedes Ziel mit Pfeil und Bogen treffen lässt und das Waisenkind Ash Marsh, in der große magische Kräfte erwachen und die aus diesem Grund vor ihrem Ziehvater, dem düsteren Stadthalter von Spire Vanis in den eisigen Norden fliehen muss.

Obwohl die Serie in der gleichen Welt spielt wie Jones Debüt-Trilogie um das „Buch der Worte“ gibt es nur wenig Berührungspunkte zwischen den beiden Reihen und die Kenntnis der „Buch der Worte“-Bände ist für das Verständnis vom „Schwert der Schatten“ in keiner Weise vorausgesetzt. Jones hat sich außerdem einen gänzlich neuen Handlungsschauplatz für ihre epische Saga ausgesucht.

Angesiedelt sind die Romane im rauhen Norden einer phantastischen, teils mittelalterlichen, teils archaischen Welt: Splitterndes Eis, Bäume, die in der Kälte zerbersten, von Eis überzogene Höhlen, eine rauhe Clan-Kultur, geheimnisvolle Wesen, ein Turm, der nach unten führt … – das und noch viel mehr bietet „A Cavern of Black Ice“ und seine drei bisher erschienenen Nachfolgebände.

Schnell-Leser seien jedoch gewarnt: J. V. Jones ist eine eher sorgfälltige und langsame Schreiberin, die ungefähr das gleiche Tempo an den Tag legt wie Geroge R. R. Martin. Aber genauso wie „A Song of Ice and Fire“, das hier eine Ehren-Nennung erhält (zu viele Szenen spielen in warmen Regionen, als dass die Bände -trotz vieler großartiger Szenen in eisiger Kälte- nicht als Winterbücher durch gehen), lohnt die atmosphärische Qualität der Reihe die Wartezeit.

Winterrose
von Patricia McKillip

WinterroseObwohl Patricia McKillip vor allem für ihre „Erdzauber“-Trilogie hierzulande bekannt ist, schätze ich sie persönlich für ihr Talent, sowohl inhaltlich als auch sprachlich wunderschöne Fantasy-Erzählungen zu erschaffen, die stilistische an Roman-Pendants zu Liedern von Loreena McKennitt erinnern. Wer noch nichts von McKillip gelesen hat, für den dürfte „Winterrose“ ein guter Anfang sein.

Poetisch-märchenhafte Geschichten mit einem Schuß Romantik sollte man allerdings schon mögen, wenn man sich an das Buch macht, das von der alten Tam Lin-Sage inspiriert ist:

Die Welt des 18. Jahrhunderts, das nicht fassbare Feenvolk der Anderswelt, ein geheimnisvoller Mann unter einem dunklen Fluch, eine starke junge Frau, dunkle Magie, Gesichter im Eis, ein nicht enden wollender Winter und jede Menge Rosen. Große Gefühle und eine lyrische Sprache für alle, die auch an Peter S. Beagles „Das Letzte Einhorn“ oder Sharon Shinns „Das Lied der Weide“ („The Shape Changers Wife“) Gefallen finden.

Klappentext:

Unheimliches geschieht in dem Dörfchen am Rand des Elfenwaldes, seit der geheimnisvolle Corbet Lynn zurückkehrte, um das Anwesen seiner Vorfahren zu bewirtschaften. Ein Fluch lastet auf ihm, so erzählt man sich, seit sein Großvater vom eigenen Sohn ermordet wurde. Nur die junge Rois erliegt Corbets magischer Anziehungskraft und ahnt nicht, welches Geheimnis sie miteinander verbindet …

– »Diese Autorin versteht es wie keine zweite, den klassischen Motiven der Fantasy neuen Glanz und Charme zu verleihen.« The Encyclopedia of Fantasy

Snow Queen
von Mercedes Lackey

Mercedes Lackey: The Snow QueenObwohl „Snow Queen“ bereits das vierte Buch ihrer „Tales of the Five Hundred Kingdoms“ ist, lässt sich der in sich abgeschlossene Roman ohne Vorkenntnisse der anderen Bände der Reihe lesen.
Vielschreiberin Mercedes Lackey entführt ihre Leser in den hohen, verschneiten Norden ihrer Märchenwelt.

Im Mittelpunkt steht diesmal die Fee Aleksia, die für die eisigen Regionen der Welt der Fünfhundert Königreiche zuständig ist und so klangvolle Titel trägt wie etwa „Queen of the Northern Lights“, „Ice Fairy“ und — „Snow Queen“.

Als eine der Feen von Mercedes Lackeys Märchenreich ist Aleksia dafür verantwortlich, über ihr Gebiet zu wachen und darauf zu achten, dass die „Tradition“, eine körperlose Kraft, das Leben der Bewohner des Landes nicht dahingehend manipuliert, traditionellen Mustern zu folgen: Märchenmotiven, die zumeist kein gutes Ende nehmen.

In „Snow Queen“ werden vor allem nordische Märchen- und Sagenmotive miteinander verwoben (und oft humorvoll auf den Kopf gestellt werden), von denen Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ nur eines ist. Hier tummeln sich Ice Maidens, magische Schmiede, böse Stiefmütter, Räuberbanden, Geister-Elche, Eisbären – und eine Antagonistin, die die winterlichen Regionen mit einem Frost überzieht, der selbst für die abgehärteten Bewohner dieser Lande lebensbedrohlich wird und außerdem noch die Dreistheit besitzt, unter Aleksias Ehrentitel „Snow Queen“ aufzutreten. Klar, dass sich das die Königin der Nordlichter nicht gefallen lässt.

Trotz des uninspirierten, enttäuschenden Schluß‘ des Buches ist der Roman empfehlenswert vor allem für Märchen-Fans, die eine Zeitlang in der rauen Welt der Eiskristalle und Schneewehen schwelgen möchten, während sie am warmen Kamin zu Hause sitzen. (Derzeit nur auf Englisch erhältlich).

Frostfeuer
von Kai Meyer

Frostfeuer„Wo Nacht und Norden enden, liegt über Nebeln die Feste der Schneekönigin …“

Auch in „Frostfeuer“ spielt die Schneekönigin eine signifikante Rolle. Obwohl Kai Meyer allerdings durchaus das eine oder andere Märchenmotiv in die Handlung mit einfließen lässt, ist sein Jugendroman wesentlich weniger poetisch als die beiden vorangegangenen Bücher, sondern setzt seinen Gewicht eindeutig eher auf die Elemente der Abenteuergeschichte.

Eigentliche Heldin ist die kleine Maus, die als Schuhputzerin im Vorzeige-Hotel Aurora im Sankt Petersburg Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet. Fast die ganze Geschichte spielt innerhalb der Wände des Nobelhotels, in dem zwei schillernde Gestalten aufeinanderprallen, um sich gegenseitig den Gar aus zu machen.

Zum einen ist da die englische Magierin Tamsin Spellwell, eine Kreuzung aus Mary Poppins und Attentäterin, die mit einem regenbogenbunten Regenschirm und einem Koffer voller Worte ins Hotel einzieht. Sie hat der grausamen Schneekönigin einen Kristall ihres Herzens gestohlen, und seither blutet die Kälte des Anbeginns aus dieser heraus und verwandelt die Welt langsam aber sicher in eine Schneewüste. Die ungleichen Frauen versuchen beide, Maus auf ihre Seite zu ziehen und sie als Handlangerin zu benutzen, die das Zünglein an der Waage sein könnte bei der magischen Schlacht der beiden, die unausweichlich näher rückt.

Ein interessantes Verwirrspiel um Recht und Unrecht, ein Cameo-Auftritt von Russlands Väterchen Frost, phantastisch-rasante Einfälle gepaart mit ein bisschen politischem Hintergrundwissen zum Schauplatz und faszinierende Figuren bieten fulminantes Lesevergnügen.
Der sympathische Roman ist übrigens auch als Hörbuch in einer grandiosen Lesung durch Katharina Thalbach erhältlich, die ich wärmsten empfehlen kann.

 ***

So, das wären meine Lesetipps für die Winterzeit. Vielleicht hat der eine oder andere ja noch einen weiteren Tipp auf Lager. Wer sich durch die Tipps inspiriert gefühlt hat: Viel Spaß beim Lesen!

(Dieser Blogeintrag ist ein überarbeiteter Re-Post vom 29. November 2008 – aber da der Winter gerade wieder Einzug in Berlin gehalten hat, dachte ich, ich krame ihn mal wieder hervor)

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