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19. August 2015

Oliver Schlick: So kalt wie Eis, so klar wie Glas

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 08:00

So kalt wie Eis, so klar wie GlasEin Fremder würde die Stille, die über dem Ort liegt, vielleicht als andächtige, vorweihnachtliche Ruhe missverstehen. Aber jeder, der hier lebt, jeder, der die blauen Lichter gesehen hat, spürt, dass hinter dieser Stille die Angst lauert

Nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter zieht Cora Dorneyser kurz vor dem Abitur nach Rockenfeld: ein idyllisches Dörfchen, das sich weltweiter Berühmtheit erfreut, weil hier die Gilde der Glaskugelmacher seit Jahrhunderten nach alter Tradition filigrane Schneekugeln herstellt. Seit jeher gelten die Dorneysers als die besten Schneekugelmacher weltweit, doch Cora hat nie daran gedacht, selbst ein Teil dieser Welt zu werden – bis sie das erste Mal die Werkstatt ihres Großvaters betritt und beschließt, in seine Fußstapfen zu treten.

Sie ahnt nicht, wie sehr sich ihr Leben dadurch verändern soll. Nicht nur sind im Dorf nicht alle Glaskugelmacher davon begeistert, dass Cora die Geschäfte ihrer Familie eines Tages übernehmen will; die Dorneyser Kunst des Glaskugelmachens scheint mit einem gefährlichen Geheimnis verbunden zu sein. Was ist drann an der Legende, dass Coras Urahn im 16. Jahrhundert die erste Schneekugel vom Teufel höchstpersönlich überreicht bekommen hat? Wer ist der geheimnisvolle Niklas, der in der Werkstatt ihres Großvaters ebenso plötzlich auftaucht wie er verschwindet? Was hat es mit den blauen Lichtern auf sich, die nachts im Wald und im Dorf aufblitzen und wie um Himmels Willen kann es sein, dass fallende Schneeflocken vor ihren Augen anfangen, Worte zu bilden, um sie zu warnen?

Schneekugeln, die Raunächte, eine alte Sage um einen Pakt mit dem Teufel … Der deutsche Autor Oliver Schlick verwebt in So kalt wie Eis, so klar wie Glas romantische Elemente und uralte deutsche Mythen zu einem atmosphärischen Mystery-Roman.

Ich habe mich schon öfter darüber beklagt, dass deutschsprachige Verfasser von Urban Fantasy nur allzu gern versuchen, amerikanischen Konzepte 1:1 auf hiesige Verhältnisse umzumünzen – etwas, dass in 9 von 10 Fällen für mich nicht funktioniert, nicht zuletzt deshalb, weil unsere Infrastruktur, unser Leben und unsere Mythen sich von denen nordamerikanischer Großstadtbewohner unterscheiden. In den letzten Jahren scheint aber offenbar erfreulicherweise ein langsames Umdenken stattzufinden. Die Autoren besinnen sich unserer Mythen und verorten ihre Handlung überzeugend in hiesigen Regionen und schaffen damit aus meiner Sicht Urban Fantasy-Romane, die sich authentisch anfühlen und trotz aller magisch-phantastischer Handlung glaubhaft sind. Diana Menschigs So finster, so kalt und Claudia Tomans Jagdzeit seien an dieser Stelle stellvertretend genannt.  Mit So kalt wie Eis, so klar wie Glas glückt Oliver Schlick Ähnliches.

Es ist die Mischung, durch die das Buch im Gedächtnis bleibt:

Zum einen ist da das romantische Setting: Rockenfeld, ein idyllische, schneeüberzuckerte und von bewaldeten Hügeln umgebene Schneekugelmacher-Dörfchen samt Schlossinternat und Waldsee. Zum anderen die schrägen Bewohner dieses heimeligen Örtchens: etwa die raubeinige Elsa mit ihrem Faible für Lakritze und dem ausgestopften Rentierkopf im Wohnzimmer, bei der Cora einzieht. Oder die stets gut gelaunte Melly, eine Art Cindy aus Marzahn, die für royale Hochzeiten und Sex and the City schwärmt und unbedingt Coras aller-allerbeste Freundin werden will. Dann gibt es noch den mit Kamera bewaffneten Spanner Zacharias Tigg, der davon überzeugt ist, dass sein Bruder von der eigenen Ehefrau ermordet wurde – und eben jene mysteriöse Dame, eine Femme fatale und Schneekugelmacherin, die Spaß daran hat, sich aufreizend zu verhalten, bizarre Schneekugeln zu gestalten und das ganze Dorf aufzumischen. Auf dem Internat, auf das Cora tagsüber geht, zieht sie sich gleich die Feindschaft einer drogensüchtigen Oberzicke aus gutem Haus zu und freundet sich mit dem Außenseiter Moritz an, einem offen schwulen Goth, der trotz seiner Vorliebe für schwarze Klamotten ein äußerst schillerndes Wesen besitzt.

Für meinen Geschmack sind die Nebenfiguren mitunter zwar ein bisschen zu arg „Klischee“ geraten. Das erinnert irgendwie an eine Dorf-Soap. Aber darüber tröstet die echt spannende Geschichte mit ihrem authentischen Flair hinweg. Cora ist eine sympathische Heldin, das Geschehen ist spannend, geheimnisvoll und mysteriös und so bietet So kalt wie Eis, so klar wie Glas wirklich kurzweilige Unterhaltung, die einen trotz der heißen Sommertage direkt in Winterstimmung versetzt.

So kalt wie Eis, so klar wie Glas erscheint am Mittwoch, den 19. August 2015.

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