Darkstars Fantasy News


1. März 2014

Interview mit Nina Blazon
zu „Der dunkle Kuss der Sterne“

Category: Interviews – Darkstar – 14:30

Der dunkle Kuss der Sterne (Nina Blazon)Am vergangenen Montag ist endlich Nina Blazons neuer High Fantasy-Roman „Der dunkle Kuss der Sterne“ erschienen. Wie in meiner Rezension beschrieben, handelt es sich um eine märchenhafte Abenteuerreise durch die Welt, die sie bereits in „Faunblut“ und „Ascheherz“ besucht hat.

Im Interview verrät Nina Blazon unter anderem, was sie an dieser Welt so fasziniert, warum sie Wasser magisch anzieht und in welchem Fantasy-Universum sie gern mal Urlaub machen würde:

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Interview mit Nina Blazon

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Welche Schlagworte (und welche Farben) fangen die Atmosphäre Deines Romans am besten ein?

Goldene, glutheiße Wüste und grünes, gefrorenes Meer.

Dämonische Windsbräute, die ihr Unwesen in rosenfarbenen Bergen treiben.

Verwitterte Tempel, wie Adlernester über Schluchten hängend. Graue Wandelgestalten in einer Küstenstadt, die ihrem Untergang entgegenfeiert.

Blaue Wege voller uralter Magie. Bücher, die mit Blut und Schattenblau auf Haut geschrieben werden. Und ein Palast voller Eisblumen, der ein düsteres Geheimnis birgt.

Was hat dich diesmal zur Handlung inspiriert?

Eine Grundfrage: „Wer wäre ich ohne …?“

Was geschieht z.B., wenn ein Mensch eines Morgens aufwacht und seine hervorstechendste Eigenschaft, über die er sich selbst definiert, ist einfach verschwunden? Und was, wenn auch sein gesellschaftlicher Status, die Familientradition, seine Geschichte – einfach alles, was sein Leben und sein Selbstbild ausmacht –, an genau diesem Teil des Ichs hängt?

Wer ist dann der Mensch, der auf diese existenzielle Art nackt nach diesen Verlusten übrigbleibt?

In Fantasy-Romanen kann man solche Gedankenspiele ja wunderbar auf die Spitze treiben.

Verrätst du uns ein wenig über die Hauptfiguren von DER DUNKLE KUSS DER STERNE?

Canda Moreno ist eine Stadtprinzessin im engsten Sinne des Wortes.

Sie gehört zu den oberen Fünfhundert der Stadtmetropole Ghan. Noch nie hat sie über den Tellerrand der Stadtmauern geblickt und hat alles, was sie sich ersehnt: die Aussicht auf unbegrenzte Macht, Reichtum, Luxus und ihren geliebten Tian, dem sie schon von Geburt an versprochen ist. Sie gilt als Schönste und Strahlendste der Stadt. Dementsprechend ist sie anfangs noch überheblich, machtbewusst, ein wunderbar funktionierendes Rädchen in den politischen Ränkespielen ihrer Familie.

Das ändert sich, als sie an ihrem Hochzeitsmorgen aufwacht und ihr die zwei schlimmsten Dinge zustoßen, die nur passieren können: Erstens ist ihr Geliebter Tian verschwunden. Zweitens erkennt sie sich im Spiegel kaum. Ihre Schönheit ist verschwunden, der Glanz, der sie die Herzen der Menschen gewinnen lässt. Ohne diese Eigenschaft gilt sie bei ihrer Familie plötzlich als wertlos …

Eine weitere Hauptfigur ist der undurchsichtige Amad.

Er ist ein Sklave des Herrscherpaares und wird Canda an die Seite gestellt, um Tian zu suchen. Allerdings wundert sich Canda, dass er sich nicht wie ein Sklave benimmt. Er ist ein zynischer, desillusionierter Jäger und Kämpfer, der offenbar schon viel erlebt hat und die Weiten der Länder kennt.

Einst hat er sein Leben an die Herrscher von Ghan verpfändet, vielleicht für eine Liebe? Zumindest trägt er als Blutpfand einen schmalen Frauenring bei sich.

Der Roman spielt in der gleichen Welt wie Deine Romane FAUNBLUT und ASCHEHERZ – wenn auch an völlig anderen Orten. Was reizt Dich daran, wiederholt in diese spezielle Fantasy-Welt abzutauchen, in der das Phantastische und die Ruinen einer untergegangenen Moderne zusammenprallen?

Es ist einfach reizvoll, sich nicht festlegen zu müssen auf einen einzigen „Genrecode“. Sondern stattdessen mit Gegensätzen zu spielen und Elemente verschiedener Richtungen – u.a. Urban Fantasy, High Fantasy und Märchen – einfach ineinanderfließen zu lassen, je nachdem, welches Setting für den Teil der Geschichte und die Entwicklung der Figuren am besten passt.

Denn die Umgebung illustriert ja auch immer die Wege der Figuren: Canda zum Beispiel „stürzt“ aus dem gläsernen, kalten Olymp ihrer Stadtmetropole (vierzigstes Stockwerk eines Wolkenkratzers) und landet ganz unten. Ganz archaisch muss sie sich auf die Reise machen, erst zu Fuß, dann auf dem klassischen Vehikel der High Fantasy – dem Pferderücken.

Ihr Weg führt sie an einen Ort der Transformation, zu einem magischen Meer. Und schon sind wir im Märchen, in dem es Prüfungen zu bestehen und Drachen zu besiegen gilt.

Für Deine Romane erschaffst Du gern eigene magische Geschöpfe, anstatt sie 1:1 dem Reich der Sagen und Märchen zu entnehmen. Welche ungewöhnliche Wesen begegnen uns in Deinem neuen Roman?

Da es auch ein Buch über Täuschungen und Illusionen ist, sind es hier vor allem Wandel- und Mischwesen.

Es gibt zum Beispiel Kreaturen mit erschreckend menschlichen Gesichtern, die dennoch Raubtiere sind. Es ist aber nicht einfach, sie als solche zu erkennen und verlangt viel „Blick hinter die Fassade“, um zu entscheiden, wer Freund und wer Feind ist.

Ansonsten spielen auch dämonische Wesen wie die wilden Windsbräute eine wichtige Rolle.

Das Meer und das Element Wasser spielen in vielen Deiner Romane eine große Rolle. Zufall?

Nein, Wasser ist einfach „mein“ Element!

Vielleicht, weil es auch ein Bild für das Unterbewusste ist, für Gefühle, für alles, was sich unter der Oberfläche (scheinbar) stillen Wassers verbirgt. Das Meer berührt mit seinen Tiefen Urängste jedes Menschen.

Und gleichzeitig ist es auch ein Symbol für Veränderungen. Man sagt nicht umsonst, dass etwas „ins Fließen“ kommt oder man einer Sache endlich „auf den Grund gekommen ist“. Wasser kommt überallhin, ist nicht wirklich greifbar und verändert doch alles mit seiner Kraft. Und diese Bilder nutze ich einfach gerne, wenn es um die Entwicklung der Charaktere geht.

Inwiefern unterscheidet sich das Buch von deinen bisherigen Romanen?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn als Autor ist man ja betriebsblind, was die eigenen Bücher angeht.

Spontan würde ich sagen: Das Wüsten-Setting ist mal etwas anderes als sonst, und vielleicht auch der damit verbundene orientalische Touch an einem der Schauplätze.

Und natürlich Perspektive. Aus Gründen, die man nach der Auflösung des Geheimnisses verstehen wird, lasse ich die Hauptfigur diesmal aus der Ich-Perspektive erzählen.

Kann man es auch lesen, wenn man FAUNBLUT und ASCHEHERZ nicht kennt?

Auf jeden Fall! Ursprünglich hatte ich vor, viel engere Bezüge zu Faunblut und Ascheherz zu schaffen und Wesen aus diesen Bänden noch einmal auftauchen zu lassen.

Nun ist es doch einfach die Welt geworden, die sich hier wiederfindet. Und ein Bezug, der sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Die Themen Tod und Schlaf sind verwandt, sozusagen Geschwister. Wer Ascheherz gelesen hat, dem werden einige Parallelen zwischen den Zorya und einem anderen Volk auffallen.

Was war das schrägste / ungewöhnlichste / bemerkenswerteste Recherche-Thema, mit dem Du Dich für die Arbeit am Roman diesmal beschäftigt hast?

Haie und Wüsten. Sehr lehrreich.

So habe ich erfahren, wieviele Zähne ein Hai im Durchschnitt in seinem nachrückenden „Revolvergebiss“ verschleißt, und ich kann nun so einiges über unterschiedliche Sandkörnungen und Wüstenarten erzählen.

Außerdem weiß ich jetzt (zumindest theoretisch, praktisch würde ich es keine vier Stunden aushalten), wie man in einer Wüste überleben kann (z.B. immer schön oben auf dem Dünenkamm schlafen, und zwar mit dem Rücken zur abfallenden Dünenseite, so kann einen ein Raubtier nicht von hinten anfallen. Trotzdem sollte man hinter dem Kopf einen Sandwall aufschichten, zur Sicherheit, falls doch ein kletterwütiges Tier zum Nackenbeißer werden will).

Nach dem Buch ist vor dem Buch: Darfst Du uns schon verraten, an was Du als nächstes arbeitest?

Derzeit sitze ich an einem Grusel-Fantasy-Schmöker für Leser ab zehn Jahren, die schon „Laqua“ mochten.

Und auch diesmal spielt das Meer eine wichtige Rolle: als Heimat eines geheimnisvollen schwarzschuppigen Meeresungeheuers, das wohl Menschenfleisch zum Fressen gern hat.

Wenn Du für eine Woche lang in einer phantastischen Welt leben dürftest bzw. leben müsstest: Welche sollte es sein und warum?

Mal überlegen.

Panem … nein!

Goerge R.R. Martins Königreiche … nein, lieber nicht.

Aber Tolkiens Auenland, ja, eine Woche bei den Hobbits, das wäre es!

Weil Bilbo & Co. wirklich wissen, wie man schöne, gemütliche Tage verbringt: mit Feiern und Faulenzen. Sehr sympathisch. Und gutes Essen gibt es dort, wie ich gehört habe, mehr als genug.

Da würde ich glatt mitkommen. Vielen Dank!

Meine Rezension zum Buch findet ihr hier; zu einer Leseprobe geht es da entlang.

Nina Blazons Website: hier!

Weitere Interviews mit Nina Blazon: hier!

3 Comments »

  1. Ein sehr schönes, ausführliches Interview! :-) Mir gefällt es vor allem, dass es sich nicht „nur“ auf den „Kuss der Sterne“ bezieht, sondern auch viel über Frau Blazon selbst verrät. So wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass Wasser ihr Lieblingselement ist – aber es passt perfekt :-)

    Besonders fasziniert mich, wie sie auf ihre Ideen kommt. Als sich das Geheimnis offenbarte, habe ich mich gefragt, wie man auf so fantastische Ideen kommen kann – dass es durch ein simples „Was wäre, wenn …?“ geschieht, ist irgendwie faszinierend ^_^

    Den sehr lockeren Bezug zu „Faunblut“ und „Ascheherz“ finde ich immer noch etwas schade, aber umgekehrt beeinflusst die zentrale Idee hinter dem „Kuss der Sterne“ auch die beiden Vorgänger, von daher bin ich trotzdem halbwegs zufrieden ;-) Und, in der Tat, dieses ganz spezielle Volk hat durchaus Gemeinsamkeiten mit den Zorya *g*

    Besonders schwer habe ich mir die mathematische Recherche vorgestellt; es war einfach unglaublich, so viele und so genaue Zahlen zu lesen. Man spürt wirklich bei jedem Buch, wie viel Mühe sich Frau Blazon gibt!

    Noch einmal herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick :-)

    Comment by Tatjana — 1. März 2014 @ 15:15

  2. Ja, das mit den Zahlen war schon krass! Diese Gabe könnte ich auch gebrauchen ,-)

    Comment by Darkstar — 1. März 2014 @ 17:19

  3. Ich kann mich nur anschließen, ein wirklich sehr sehr schönes Interview und ganz und gar nicht Mainstream! Ich lese sowas wahnsinnig gern :)

    Und auf das Buch war ich vorher schon sehr gespannt!

    Liebe Grüße
    Bine, die II. ;-)

    Comment by Bine II — 4. März 2014 @ 12:59

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