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12. Oktober 2015

Nina Blazon: Der Winter der schwarzen Rosen

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 08:00

Der Winter der schwarzen Rosen„Dem Himmel sei Dank, du lebst!“, schluchzte sie und drückte mich an sich. Sie küsste mein Haar, meine Schläfe, meine Augen. Und alles, was in mir gläsern und scharf gewesen war, zersprang unter ihren Lippen.

In einer Welt, in der der Tod sich in magische Mäntel hüllt und Aufzugschächte in alten Palästen an ein untergegangenes technisches Zeitalter erinnern, wachsen die Schwestern Liljann und Tajann am Rand des sagenumwobenen Rankenwaldes in einer Jagdhütte auf. Ihr Vater verdient seinen Lebensunterhalt damit, magische Hirsche zu erlegen, deren gegerbtes Fell ihren Träger unverwundbar macht.

Obwohl sie Zwillinge sind, könnten die Schwestern nicht unterschiedlicher sein: Die eine hell, die andere dunkel, die eine selbstbewusst, die andere scheu, die eine beseelt von der Sehnsucht nach einem Leben am königlichen Hof, die andere erfüllt von der Angst vor der Zukunft. Das stärkste Unterscheidungsmerkmal zwischen Liljann und Tajann, das Geheimnis, das die ältere nicht mit ihrer jüngeren Schwester teilt ist jedoch, dass sie Magie wirken kann. Eine Fingerbewegung Liljanns genügt, eine unsichtbare Grenze zu ziehen, die niemand übertreten kann, und sie ist auch die einzige, die Feen sehen kann; Feen, die Tajann umgeben, Liljanns Schwester, in deren Adern kein Zauberblut fließt. Von Liljanns Gabe darf niemals jemand erfahren, denn auf Hexerei steht der Tod und Lady Jamala, die Herrscherin der Zitadelle, die über das ganze Land regiert, setzt dieses eherne Gesetz gnadenlos durch.

Während einer berauschenden Ballnacht in der Zitadelle der Lady nimmt das Schicksal der Schwestern eine dramatische Wendung: Sie beide begegnen jungen Männern, die ihr Herz höher schlagen lassen. Einer davon ist ein einfacher Soldat, der andere der Sohn und Erbe der Lady. Was weder Liljann noch Tajann ahnen: die Liebe zu den jungen Männern erweist sich als äußerst gefährlich, mehr noch als ein Spiel mit dem Feuer – und schon bald verraten sich Schwestern, Intrigen werden geschmiedet und eine uralte, gefährliche Magie wird entfesselt. Der Winter der schwarzen Rosen soll Tajanns und Liljanns Leben für immer verändern …

Keine schreibt Fantasy wie Nina Blazon.

Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber auch ihr vierter Ausflug in die Faunblut-Welt raubt einem den Atem. Ganz klar: Man muss die anderen Romane, die in dieser Welt spielen, nicht gelesen haben, um „Der Winter der schwarzen Rosen“ zu verstehen, aber diesmal verwebt die Autorin zahlreiche kleine Referenzen auf Wesen und Ereignisse anderer Romane in die Handlung, verknüpft Ereignisse miteinander und macht so die Welt ihrer Fantasyromane noch dichter und epischer.

Diesmal wird es übrigens besonders märchenhaft: Feen, Gestaltwandler und verlassene Festungen, die von atemberaubend schnell wachsenden Dornenranken verschlungen werden: Nina Blazon spinnt ihren Roman aus dem Stoff, aus dem auch Märchen und Sagen gemacht sind. In einer Zeit, in der – zumindest auf dem US-Markt – die Adaptionen von Märchen auf dem Siegeszug sind, erschafft sie allerdings ihr eigenes Märchen. Für mich ist sie der Hans Christian Andersen unserer Zeit.

Ja ich weiß, das sind große Worte. Aber ich liebe die Bücher von Nina Blazon, ihre Art zu Schreiben, ihren betörenden Stil, und den „Winter der schwarzen Rosen“ liebe ich besonders. Es ist eine traumhaft verzauberte Geschichte, gewebt aus mythischen Elementen. Die Autorin zeichnet das Bild einer verzauberten, archaischen Welt, die gleichsam wildromantisch und gefährlich ist. In Liljanns und Tarjanns Wirklichkeit gibt es Herrscherinnen, die ihre Brustharnische aus den Knochen ihrer besiegten Feinde fertigen lassen und Steinböcke, aus deren Blutstropfen weiße Rosen wachsen. Hat der gestürzte Hirschkönig aus alter Zeit vielleicht doch noch überlebt? Verbirgt sich in der verwilderten Gegend des Graulands ein geflügeltes Monster, das alles Leben vernichten will?

Die Antworten verbergen sich zwischen den 541 Seiten des wunderschön aufgemachten Hardcovers. Wer aufgrund des Klappentextes und meiner Inhaltsangabe übrigens vermutet, im „Winter der schwarzen Rosen“ spiele in erster Linie die Romantik eine Rolle, ist auf dem Holzweg.

Dieser Roman ist Liljanns und Tarjanns Geschichte, denn die Zwillingsschwestern erzählen von ihren jeweiligen Abenteuern, durch die sich ihr Weg zunächst trennt, dann wieder kreuzt. Zunächst hatte ich vermutet, mir würde es schwer fallen, alle paar Seiten die Perspektive zu wechseln, wenn mal die eine, dann die andere Schwester in der Ich-Form erzählt. Spannenderweise ist das aber gar kein Problem, und das liegt nicht nur daran, dass sich die jeweiligen Passagen im Schriftbild und in der Zeitform unterscheiden (Liljann erzählt im Präteritum, Tajann im Präsenz), sondern vor allem daran, dass die beiden Schwestern ganz unterschiedliche Charakterzüge haben.

Ihre Abenteuer lassen sie beide reifen, sie sind aufregend, gefährlich und ja, die Liebe spielt auch eine Rolle, aber nicht die prominenteste. Und die Liebe hat, wie der Mond, zwei Gesichter: schwarz und weiß, erfüllend und verzehrend, erlösend und vernichtend. Und wie immer in Nina Blazons Romanen ist am Ende nichts so, wie es am Anfang schien.

In einem dramatischen, fast hundertseitigem Finale stellt die Autorin nicht nur vieles auf den Kopf und enthüllt Wahrheiten, auf die ich so nie gekommen wäre, sondern liefert einen actiongeladenen, cineastischen Showdown, der es in sich hat. Kopfkino pur!

Ich bin Fairy Tale-Fantasyfan und so ist es vermutlich nicht überraschend, dass „Der Winter der schwarzen Rosen“ mein bisheriger Lieblings-„Faunblutwelt“-Roman ist. Eine Welt, die in diesem Buch übrigens auch zumindest ausschnittsweise ein Gesicht bekommt, denn hinten im Buch findet sich erstmals eine Karte.

Wer Nina Blazons Bücher mag, wird hier nicht enttäuscht. Aber auch Leser, die noch nichts von ihr gelesen haben, die aber magisch-märchenhafte Geschichten mögen, müssen unbedingt zugreifen. Der Bann, mit dem Nina Blazon ihre Leser belegt, wirkt auch dann noch, wenn man den Roman längst zugeschlagen hat.

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Meine Rezensionen zu den anderen Faunblutwelt-Romanen findet ihr hier:

Faunblut

Ascheherz

Der dunkle Kuss der Sterne

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