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11. August 2015

James Dawson: How to be gay
Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 18:00

HTBGHow to be gay … Braucht es tatsächlich eine Gebrauchsanweisung dafür, wie man richtig schwul ist? (Oder lesbisch, oder transsexuell, bi oder eben alles, aber nicht hetero?)

Nein, natürlich nicht. Das ist es auch nicht, was Autor James Dawson meint. Mit „How to be gay“ hat er vielmehr ein Sachbuch verfasst, in dem freimütig darüber spricht, was es bedeuten kann, anders zu sein.

Freimütig, augenzwinkernd und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen (also jetzt echt: tut er nicht!) spricht er locker über Sexphantasien, die Phase, in der man feststellt, dass „mit einem was nicht stimmt“, über sinnige wie unsinnige wissenschaftliche Erklärungsansätze zur Homosexualität, über Angst, Stereotype und Klischees, über das Coming Out, darüber, wo man Gleichgesinnte trifft und über schwulen und lesbischen Sex (und ich wiederhole: er nimmt kein Blatt vor den Mund).

Sein Ziel: Mutmachen.  Aufklären. Wissen vermitteln. Jungen Menschen die Angst nehmen.

Scheiße!, schreibt er beispielsweise. Diesen Gedanken habt ihr wahrscheinlich, wenn ihr zum ersten Mal gleichgeschlechtliche Sexphantasien habt. Aber: Keine Panik. LGBT*-Menschen sind in der Minderheit, aber deswegen sind sie noch lange nicht unnormal. Menschen mit blauen Augen sind auch in der Minderheit, aber halten wir sie deshalb für abartig? Wenn wir Jake Gyllenhaal sehen, brüllen wir nicht: Seht euch nur dieses blauäugige Monster an! NEin, wi rhimmeln ihn an und weinen, weil wir ihn nicht haben können.

Dieser Absatz verdeutlicht den Ton, den Dawson im Buch anschlägt.

Er weiß, wovon er spricht. James Dawson ist nicht nur ein offen schwuler Jugendbuchautor aus London. (Aus seiner Feder stammt z. B. „Sag nie ihren Namen„). Er hat auch jahrelang als Lehrer gearbeitet und weiß daher, dass die Themen Homo-/Transsexualität etc. im Unterricht leider allzu oft ausgeklammert werden.

Im ersten Moment fand ich es etwas schade, dass der Fischer Verlag sich dazu entschlossen hat, James Dawsons Originaltitel „This book is gay“ für die deutsche Übersetzung umzubenennen in „How to be gay“ – mittlerweile finde ich den Titel aber sogar viel besser, und zwar aufgrund seiner Doppeldeutigkeit:

„How to be gay“ könnte man einerseits als „Wie man schwul ist“ übersetzen, andererseits kann man „gay“ aber auch mit „heiter“ und „fröhlich“ übersetzen, und das trifft das Sachbuch im Kern:

Dawson versucht seinem interessierten Publikum nicht nur Gedankenansätze dafür zu liefern, was es heutzutage heißt, schwul, lesbisch, bisexuelle, trans, queer oder curious zu sein, sondern auch, dass man dabei ebenso glücklich sein kann wie als Hetero. Es ist ein lebensbejahendes Mutmach-Buch, das – unter anderem – zu vermitteln versucht: Egal, was gerade in dir vor geht, welche Sorgen du dir machst: vertrau darauf, dass du ein glückliches Leben führen kannst – ob nun schwul oder nicht. Und das ist eine Botschaft, die wichtig ist.

Dafür liefert er nicht nur eigene Gedankenansätze, sondern zitiert auch die Überlegungen zahlreicher Jugendlicher und Gesprächspartner, die er für das Buch interviewt hat. Über 300 Leuten hat er dafür befragt.

Und neben Tipps für Eltern und Erziehungsberechtigten liefert er darüber hinaus noch ein „Kleines Lexikon der großen Schwulen- und Lesbenikonen“ (von ABBA bis Willow Rosenberg) und einen Spickzettel diverser merkwürdiger Begriffe auf einen Blick (wie etwa Stellung 69, Glory Hole, STI und Scissor Sisters). Das ist lehrreich, unverblümt und macht Spaß.

Ach ja: Und wer jetzt die Stirn runzelt – James Dawson wirbt nicht dafür „schwul zu sein“, sondern dafür, dass lesbisch, bi oder cissexuell nichts Schlimmes ist, sondern viel Spaß machen kann. Und er spart nicht aus, dass man sich schützen muss (ob vor homophobem Pack oder ungeschützten Geschlechtsverkehr).

Was die deutsche Ausgabe angeht, so fand ich es schade, dass man das Vorwort von David Levithan weggelassen hat, das es in der englischsprachigen Ausgabe wohl gibt. Sehr erfreulich allerdings, dass man im Kapitel der „Nützlichen Organisationen, Websites und mehr“ diverse deutschsprachige Websites aufgelistet hat, die im Fall der Fälle weiterhelfen: wie die des Jugendnetzwerks Lambda, der Regenbogenfamilien und zum Mobbing im Beruf.

Coming Out-Ratgeber gibt es mehrere. Es gibt aber wenige, die das Thema so locker und witzig aufarbeiten wie „How to be gay“.

Wenn ihr euch selbst mit dem Gedanken quält, „anders“ zu sein und nicht wirklich wisst, was das für euch und euer Leben bedeutet, lest das Buch!

Wenn ihr Bibliothekar oder Lehrer sein: Schafft das Buch an und stellt es in eure Bücherei.

Und selbst, wenn ihr nur neugierig auf das Thema seid: dieses Buch macht Spaß. This book is gay.

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